Bundesinnenminister Alexander Dobrindt will die Kontrollen an den deutschen Grenzen über September hinaus verlängern. Der CSU-Politiker begründete den Schritt mit der angespannten Lage in der spanischen Exklave Ceuta. Angesichts der hohen Zahl irregulärer Grenzübertritte in Nordafrika müssten «flexible und angepasste Binnengrenzkontrollen» aufrechterhalten werden, sagte Dobrindt. Bis wann die Kontrollen gelten sollen, ließ er offen.

Die Ankündigung fällt in eine Phase wachsender europäischer Nervosität. In der Nacht zum Freitag war es auch in der zweiten spanischen Exklave in Nordafrika zu massenhaften Grenzübertritten gekommen. Nach Angaben des Madrider Innenministeriums, über die der staatliche Sender RTVE berichtete, haben inzwischen rund 37.500 Menschen Ceuta wieder in Richtung Marokko verlassen. Das entspricht etwa drei Vierteln der rund 50.000 Menschen, die nach Regierungsangaben in den vergangenen Tagen unerlaubt in die Stadt an der Meerenge von Gibraltar gelangt waren. Die Regionalregierung Ceutas hatte die Zahl der Ankömmlinge auf mehr als 60.000 geschätzt. Unabhängig überprüfen ließen sich die Angaben nicht. Tausende Migranten hielten sich am Nachmittag weiterhin in der Exklave auf; die meisten waren den offiziellen Angaben zufolge schwimmend angekommen.

Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez wertete den Migrantenandrang als «Angriff» auf Spanien. Die Linke forderte unterdessen Deutschland auf, Schutzsuchende aus Ceuta aufzunehmen. «Jetzt zählt zuerst, dass niemand mehr stirbt», erklärte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Clara Bünger. Die Menschen müssten versorgt werden, medizinisch, mit Wasser und einem sicheren Ort. «Damit darf Spanien nicht allein bleiben. Deutschland und die EU stehen in der Pflicht, bei der Versorgung zu helfen und Schutzsuchende aufzunehmen.» Wer glaube, mit noch mehr Abschottung sei das Problem gelöst, irre, betonte die innen- und fluchtpolitische Sprecherin der Linksfraktion. Solange es keine sicheren und legalen Wege gebe, würden Menschen weiter in Lebensgefahr getrieben. Die Situation in Ceuta sei «keine Naturkatastrophe, sondern das Ergebnis politischer Entscheidungen». Menschen flöhen vor Krieg, Armut und Klimakrise. «Höhere Mauern halten sie nicht auf, sie machen die Flucht nur tödlicher.»

Dobrindt verteidigte die geplanten Kontrollen. Die Lage in Ceuta verdeutliche die «volatile Lage bei der illegalen Migration», erklärte er. Eigentlich sollen die Binnengrenzen in der EU offen sein; dennoch wird seit dem 16. September 2024 wieder an allen deutschen Grenzen kontrolliert. Die damalige Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hatte dies angeordnet, um die Zahl unerlaubter Einreisen einzudämmen. Trotz wachsender Kritik wurde die Regelung dreimal verlängert, zuletzt bis Mitte September 2026. Nun soll eine weitere Verlängerung folgen, ohne dass Dobrindt einen konkreten Zeithorizont nannte.

Auch international sorgt die Krise für Aufsehen. US-Präsident Donald Trump warnte vor einem ähnlichen Szenario in den Vereinigten Staaten. «Das ist schrecklich. Erinnert euch an dieses Bild», wurde er vom Sender Fox News mit Blick auf die Lage in Ceuta zitiert. «So wird es uns in drei Jahren ergehen, wenn die falsche Seite an die Macht kommt», sagte Trump mit Blick auf eine mögliche Regierungsübernahme durch die Demokraten nach der Präsidentschaftswahl 2028. Die EU-Grenzschutzagentur Frontex hat unterdessen noch keine Bitte um Unterstützung aus Madrid erhalten. Man beobachte die Lage laufend, teilte die Behörde mit. EU-Migrationskommissar Magnus Brunner hatte am Donnerstag die Bereitschaft der EU signalisiert, Spanien auch mit Frontex zu unterstützen. Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen schlug vor, alle Optionen zu prüfen — einschließlich eines Ausschlusses Spaniens aus dem Schengen-Raum.