Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) hat sich für den Südausbau der Sondermülldeponie Ihlenberg ausgesprochen. Die Erweiterung der Anlage zwischen Schönberg und Lübeck solle die bis Ende 2035 weiterhin zulässige Ablagerung gefährlicher Abfälle sicherstellen, sagte er bei der Eröffnung eines neuen Bürogebäudes auf dem Gelände. Der geplante Südausbau stehe nicht im Widerspruch zum erklärten Ziel der Landesregierung, den Betrieb für gefährliche Abfälle Ende 2035 zu beenden.
Die landeseigene Ihlenberger Abfallentsorgungsgesellschaft (IAG) hatte den Ausbau des knapp acht Hektar großen Areals für die Einlagerung von Abfällen der Deponieklasse III (DK III) beantragt. Ein Kabinettsbeschluss aus dem Jahr 2019 sieht vor, die Deponie Ende 2035 zu schließen und die Annahme auf ungefährliche Abfälle aus dem Entsorgungsgebiet Nord-Ost zu beschränken. Die Anlage solle von einer gewinnorientierten Einrichtung zu einer nachsorgenden Anlage entwickelt werden, Ressourcenschutz, Abfallvermeidung und Recycling sollten die Grundpfeiler der künftigen Entsorgungskonzeption sein.
Seit mehreren Jahren arbeitet die IAG am Umbau des Unternehmens vom reinen Deponiebetrieb hin zu einem Kompetenzzentrum für grüne Energie, Umwelttechnik und Kreislaufwirtschaft. Das neue, 13 Millionen Euro teure Bürogebäude ist nach den Worten von Geschäftsführer Peter Axmann ein Meilenstein für die Neuausrichtung. «Wir gewährleisten künftig nicht nur Entsorgungssicherheit», sagte er. In einem 90.000 Quadratmeter großen Gewerbegebiet am Ihlenberg sollen sich Firmen ansiedeln.
Axmann verwies zugleich auf die offene Frage nach 2035. Allen Beteiligten sei bewusst, dass über die Zeit nach 2035 gesprochen und nachgedacht werden müsse. Voraussetzung für ein Ende der Einlagerung von DK-III-Abfällen sei eine andere Deponie für gefährliche Rückstände. Eine solche sei aber nicht in Sicht. Bis eine neue Deponie eröffnet werden könne, brauche es zehn bis fünfzehn Jahre Vorlauf. Dem Vernehmen nach hat sich bisher kein anderes norddeutsches Bundesland bereit erklärt, eine Deponie für gefährliche Rückstände zu errichten.
Kritik kommt von Dennis Klüver, Spitzenkandidat der Piratenpartei für die Landtagswahl am 20. September. Er wohnt im nahen Rehna und begleitet die Entwicklungen auf der Deponie kritisch. Er rechnet damit, dass die Genehmigungen für den Südausbau nach der Landtagswahl erteilt werden. «Als Nächstes bedauert man die norddeutsche Entwicklung, dass kein Nachbarland eine Klasse-III-Deponie eröffnete, ja nicht mal plante», sagte Klüver. «Dann wird die alte Deponie geschlossen und direkt daneben auf gleicher veralteter Grundlage ein neues Teilstück eröffnet. Eine verlogenere Umweltpolitik kann ich mir kaum vorstellen.»
Die Sondermülldeponie Ihlenberg wurde 1979 errichtet. In der DDR wurden dort gegen Devisen gefährliche Rückstände aus dem westlichen Ausland eingelagert. Nach der Wende wurde das Areal weiterhin als Sondermülldeponie betrieben. Bisher wurden nach Angaben der IAG 22 Millionen Kubikmeter Müll eingelagert, Platz ist für weitere sechs Millionen Kubikmeter. Von den 115 Hektar Deponiefläche befinden sich aktuell 50 Hektar in der Stilllegung.
Auf stillgelegten Teilen der Deponie sind ab 2028 Solaranlagen geplant. Mitte Juli wurde der Plan für den Bau einer Bodenwaschanlage für belastete Böden und Bauschutt bekanntgegeben. Sie soll 2029 in Betrieb gehen und Teil eines Baustoff-Recyclings werden. Ob der Südausbau genehmigt wird, dürfte sich nach der Landtagswahl entscheiden. Klüver rechnet damit, dass die Genehmigungen dann erteilt werden.
