Die japanische Künstlerin Yayoi Kusama ist tot. Sie starb im Alter von 97 Jahren, wie ihre Galerie am Mittwoch bestätigte. Kusama zählte zu den einflussreichsten Künstlerinnen der Gegenwart und wurde vor allem für ihre Punktmuster-Bilder, ihre Spiegelräume und ihre ungewöhnlichen öffentlichen Performances bekannt.

In den 1960er-Jahren sorgte Kusama in New York und Europa mit ihren Arbeiten für Aufsehen. Ihre mit Tupfen überzogenen Gemälde, ihre phallischen Skulpturen und ihre Performances, bei denen sie etwa nackte Tänzerinnen mit Punkten bemalte, provozierten das Publikum und machten sie zu einer zentralen Figur der Avantgarde. Kritiker sahen in ihr eine Wegbereiterin der Pop-Art, auch wenn sie sich selbst stets als eigenständige Stimme verstand.

Kusama wurde 1929 in Matsumoto in der Präfektur Nagano geboren. Schon als Kind begann sie zu malen und entwickelte früh ihre charakteristische Bildsprache aus Punkten und Netzen. In den 1950er-Jahren zog sie in die USA und ließ sich in New York nieder, wo sie in der Kunstszene der Stadt schnell Fuß fasste. Ihre Arbeiten wurden in renommierten Galerien gezeigt, und sie arbeitete zeitweise mit Künstlern wie Donald Judd und Andy Warhol zusammen.

Nach ihrer Rückkehr nach Japan in den 1970er-Jahren lebte Kusama zurückgezogen und ließ sich freiwillig in eine psychiatrische Klinik in Tokio einweisen, in der sie bis zuletzt wohnte. Ihr Atelier lag in der Nähe der Klinik, und sie arbeitete dort täglich weiter. In den 1990er-Jahren erlebte ihr Werk eine internationale Wiederentdeckung. Ihre Installationen, darunter die berühmten „Infinity Mirror Rooms“, zogen in Museen auf der ganzen Welt Millionen von Besuchern an.

Ihre Punktmuster, die sie selbst als Ausdruck einer visuellen Halluzination beschrieb, wurden zu einem weltweit wiedererkennbaren Markenzeichen. Kusama arbeitete nicht nur mit Malerei und Skulptur, sondern auch mit Mode, Literatur und Film. Sie veröffentlichte Romane und Gedichtbände und entwarf Kollektionen für bekannte Modemarken. Ihre Kunst war geprägt von der Auseinandersetzung mit psychischen Erkrankungen, die sie als Teil ihrer Identität offen thematisierte.

In Deutschland und Europa wurden ihre Werke in zahlreichen Ausstellungen gezeigt, darunter im Museum Ludwig in Köln, in der Berliner Nationalgalerie und in der Kunsthalle München. Ihre Retrospektiven gehörten zu den meistbesuchten Kunstausstellungen der vergangenen Jahre. Auch in ihrer Heimat Japan blieb sie eine prägende Figur: Das Museum of Contemporary Art in Tokio widmete ihr mehrfach große Schauen, und ihre Heimatstadt Matsumoto errichtete ein eigenes Museum für sie.

Kusamas Tod markiert das Ende einer Ära in der zeitgenössischen Kunst. Ihre Werke bleiben in den wichtigsten Museen der Welt präsent, und ihr Einfluss auf jüngere Künstlergenerationen ist ungebrochen. Die Kunstwelt verliert mit ihr eine Künstlerin, die über Jahrzehnte hinweg Grenzen überschritt und das Verhältnis von Kunst, Öffentlichkeit und psychischer Erfahrung neu definierte.