Die Behörden der südukrainischen Stadt Cherson haben die Einwohner angesichts der zunehmenden russischen Angriffe zur Evakuierung aufgerufen. „Ich wende mich erneut an die Einwohner von Cherson, insbesondere an Familien mit Kindern und ältere Menschen: Wenn Sie die Möglichkeit haben, bitte verlassen Sie die Stadt“, schrieb der Gouverneur der Region Cherson, Oleksandr Prokudin, am Donnerstag im Onlinedienst Telegram. Hintergrund ist die Sorge, dass die Strom- und Wärmeversorgung in der Stadt wegen der russischen Angriffe für längere Zeit ausfallen könnte. Vor dem russischen Angriffskrieg war Cherson eine Großstadt mit fast 300.000 Einwohnern.
Unterdessen hat US-Präsident Donald Trump Medienberichte über mögliche russische Angriffspläne auf Nato-Territorium zurückgewiesen. Er habe gute Gespräche mit Kremlchef Wladimir Putin geführt, sagte Trump am Donnerstag vor Journalisten im Weißen Haus. „Er wird kein Nato-Gebiet angreifen.“ Hintergrund der Äußerungen ist eine Reise von CIA-Chef John Ratcliffe nach Moskau am Dienstag, bei der er die russische Führung US-Medienberichten zufolge vor Angriffen auf Nato-Staaten gewarnt haben soll. Demnach hätten Einschätzungen des US-Geheimdienstes darauf hingedeutet, dass Moskau versuchen könnte, das Verteidigungsbündnis auf die Probe zu stellen. Der Kreml tat dies als „realitätsfern“ ab.
In Sankt Petersburg ist bei der Explosion eines Autos einem Medienbericht zufolge ein russischer Offizier getötet worden. Bei dem Todesopfer handele es sich um einen Oberstleutnant, berichtete die russische Online-Zeitung „Fontanka“. Seine Ehefrau, die sich ebenfalls in dem Fahrzeug befunden habe, sei verletzt in ein Krankenhaus gebracht worden. Das russische Ermittlungskomitee teilte mit, es habe nach dem Brand eines Autos ein Strafverfahren eingeleitet. Die Behörde bestätigte den Tod einer Person und die Verletzung einer weiteren, machte jedoch keine Angaben dazu, ob es sich bei dem Todesopfer um einen Soldaten handelte. Eine Stellungnahme der Ukraine lag zunächst nicht vor. Russland macht die Ukraine für eine Reihe von Anschlägen auf hochrangige Militärs und Personen verantwortlich, die mit dem russischen Angriffskrieg gegen das Nachbarland in Verbindung stehen. Ukrainische Stellen haben sich in einigen Fällen dazu bekannt, in anderen eine Beteiligung bestritten.
Bei einem Drohnenangriff auf einen Kleinbus im russisch besetzten Teil des ostukrainischen Gebiets Luhansk sind nach Angaben der Besatzungsbehörden mindestens neun Menschen getötet worden. Weitere sechs seien verletzt worden, teilte der von Moskau eingesetzte Gebietsgouverneur Leonid Passetschnik auf Telegram mit. Demnach war der Bus mit 15 Passagieren auf der Route von Lyssytschansk nach Kadijiwka unterwegs. Die genannte Straße befindet sich rund 50 Kilometer von der Frontlinie entfernt. Kiew weist regelmäßig Anschuldigungen von Angriffen auf Zivilisten zurück. In der benachbarten Region Donezk meldeten örtliche Medien zudem einen ukrainischen Angriff mit Marschflugkörpern auf die russisch besetzte Gebietshauptstadt. Den Berichten zufolge gab es vier bis fünf Explosionen. In sozialen Medien kursierten Videoaufnahmen einer riesigen Rauchwolke. Über mögliche Opfer wurde vorerst nichts bekannt.
Nach ukrainischen Drohnenangriffen am 26. August hat die viertgrößte Ölraffinerie Russlands, die zugleich der zweitgrößte Benzinproduzent des Landes ist, erneut die Verarbeitung von Rohöl eingestellt, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. Ukrainische Streitkräfte griffen die Produktionsanlagen der Lukoil-Nischegorodorgsintez-Raffinerie, auch bekannt als NORSI, in Kstowo in der Region Nischni Nowgorod an. „Der Angriff hat das Ziel getroffen, woraufhin ein Feuer auf dem Gelände der Anlage ausbrach“, erklärte der ukrainische Generalstab. „Das Ausmaß der Schäden wird derzeit noch ermittelt.“

