Das Bundeskriminalamt sucht im Zusammenhang mit einem vereitelten Drohnenanschlag auf den Flughafen Leipzig/Halle nach einem dritten Tatverdächtigen. Für die Fahndung setzen die Ermittler ein mit künstlicher Intelligenz erstelltes Fahndungsbild ein. Die Identität der gesuchten Person ist bislang unbekannt, und das BKA hat zu dem Mann keine weiteren Angaben gemacht.

Der Flughafen Leipzig/Halle gilt als zentraler Knotenpunkt für militärische Fracht aus der Ukraine. Anfang August war in der Nähe einer Antonow-Frachtmaschine eine Drohne entdeckt worden, die mit Sprengstoff beladen war. Der Fund machte deutlich, wie verwundbar der Luftverkehr gegenüber solchen Angriffen ist. In der Folge wurden an deutschen Flughäfen neue Einheiten zur Drohnenabwehr aufgebaut. Die Ermittlungen führt die Bundesanwaltschaft, die für Verfahren mit möglicher staatsschutzrelevanter Dimension zuständig ist.

Bereits zuvor waren zwei Verdächtige in den Fokus der Fahnder geraten. Es handelt sich um einen Mann mit lettischem oder russischem Pass, der unter dem Namen Oleg L. geführt wird, sowie um den belarussischen Staatsbürger Andrei K. Medienberichten zufolge sollen beide Verbindungen zum russischen Militärgeheimdienst GRU haben. Diese Darstellung ist nicht durch offizielle Stellen bestätigt. Die Bundesregierung macht Russland für den Anschlagsversuch verantwortlich, Moskau weist jede Beteiligung zurück.

Das neue Fahndungsbild zeigt eine Person mit Basecap und Kapuzenpullover, die ein schwarzes E-Bike fährt. Der Verdächtige wird als schlank beschrieben und trug nach den bisherigen Erkenntnissen überwiegend Schwarz. Auffällig ist vor allem die Kleidung: Für den Hochsommer sei sie ungewöhnlich warm, was die Ermittler als mögliches Erkennungsmerkmal werten. Wer eine Person mit diesen Merkmalen beobachtet hat, soll sich bei den Behörden melden, denn jede Beobachtung kann helfen, die Bewegungen des Mannes nachzuvollziehen.

Gesucht werden Zeugen, die zwischen dem 31. Juli und dem 4. August im Raum Leipzig eine solche Person gesehen haben. Der Suchraum umfasst die Ortschaften Rabutz und Beuditz. Ein Feldweg zwischen den beiden Dörfern gilt den Ermittlern als möglicher Startpunkt für die Drohne. Gerade dieser Zeitraum ist für die Rekonstruktion von Bedeutung, weil in ihm die Vorbereitungen für den geplanten Angriff vermutet werden.

Das BKA setzt seit rund zwei Jahren KI-gestützte Gesichtserkennung ein und verwendet solche Hilfsmittel seit 2025 auch für die Erstellung von Fahndungsbildern. Der Einsatz künstlicher Intelligenz bei der Fahndung ist damit kein Einzelfall mehr, wirft aber regelmäßig die Frage nach der Genauigkeit und Nachprüfbarkeit solcher Bilder auf.

Die Affäre hat auch diplomatische Folgen. Als Reaktion auf den Fall wurde das Russische Haus in Berlin geschlossen. Im Gegenzug mussten die Goethe-Institute in Russland ihre Arbeit einstellen. Der Vorgang belastet damit das ohnehin angespannte Verhältnis zwischen Berlin und Moskau weiter, während die Ermittlungen zu den Hintergründen des geplanten Anschlags andauern.

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Niklas Gerhardt

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Politischer Korrespondent

Niklas Gerhardt berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.