Für Menschen in Südbaden ist die große Stärke eines Herbsturlaubs nicht der Flughafen, sondern die Lage. Die Schweiz liegt vor der Tür, der Alpenraum beginnt praktisch hinter dem Horizont, Norditalien ist mit Auto oder Bahn erreichbar und Slowenien lässt sich in eine längere Rundreise einbauen. Wer dagegen noch einmal Sommer will, kann innerhalb der EU auf die Kanaren oder nach Madeira fliegen. So entsteht zwischen September und November eine ungewöhnlich große Auswahl.
Eurostat zeigt, dass Reisen innerhalb Europas ohnehin den Alltag prägen. 2024 machten fast 249 Millionen EU-Einwohner ab 15 Jahren mindestens eine private Reise mit Übernachtung. Rund 92 Prozent der touristischen Reisen blieben innerhalb der Union. Im Durchschnitt wurden etwa 303 Euro für eine Inlandsreise und 1.053 Euro für eine Auslandsreise ausgegeben. Das sind keine Preisversprechen, aber sie zeigen, warum kurze Anfahrten und wenige Nächte für viele Haushalte entscheidend sind.
Für eine Reise ab Waldshut ist der Alpenraum die naheliegendste Wahl. In Österreich gelten Ende September und Oktober als gute Zeit für Wanderungen und Radtouren: Die Temperaturen sind milder, die Wege oft weniger voll, und außerhalb der Spitzenzeiten können günstigere Angebote verfügbar sein. Wer mit dem Auto fährt, kann die Strecke in kleinere Etappen teilen und muss nicht jede Nacht am teuersten Ferienort verbringen.
Noch stärker ist der Farbwechsel in den Dolomiten. In Südtirol färben sich die Lärchen, die Luft wird klarer und viele Wege wirken ruhiger als im Hochsommer. Der Pragser Wildsee und die Drei Zinnen sind weiterhin starke Ziele, doch nach dem Sommer ändern sich Zufahrten, Shuttle-Angebote und Liftfahrpläne. Eine Herbsttour sollte deshalb um geöffnete Infrastruktur gebaut werden und nicht um einen August-Reiseführer.
Wer bei unsicherem Wetter nicht jeden Tag wandern möchte, kann den Weg nach Osten verlängern. Slowenien verfügt über zahlreiche Thermalorte mit Innenbecken und liegt landschaftlich zwischen Alpen, pannonischer Ebene und mediterranem Einfluss. Ein paar Tage in den Bergen lassen sich dadurch mit einem Thermenaufenthalt verbinden, ohne dass ein zweiter Flug nötig wird.
Budapest ist die städtische Variante. Die Außenbecken von Széchenyi wirken im kühlen Herbst besonders eindrucksvoll. Wichtig für die Planung 2026: Das bekannte Gellértbad ist seit Oktober 2025 wegen einer umfassenden Renovierung geschlossen; die Wiedereröffnung ist für 2028 vorgesehen. Wer alte Empfehlungen aus dem Internet übernimmt, steht sonst vor verschlossenen Türen.
Für echtes Sommerwetter braucht es mehr Distanz, aber keinen Kontinentwechsel. Auf den Kanaren liegen die Durchschnittstemperaturen im Oktober bei rund 26 Grad und im November noch bei etwa 24 Grad. Madeira ist etwas wechselhafter, dafür grüner und stärker auf Wandern ausgerichtet. September und Oktober gelten dort als angenehm, während nach dem Sommer weniger Besucher unterwegs sind.
Und wer statt Wärme lieber einen frühen Winter erleben möchte, kann nach Finnisch-Lappland fliegen. Die Nordlichtsaison beginnt Ende August, September und Oktober gehören zu den aktiven Monaten. Gegen Ende Oktober bleibt im Norden häufig der erste Schnee liegen. Eine Garantie für Nordlicht gibt es nicht, deshalb sollte der Aufenthalt auch mit Wanderungen, Natur und Ruhe funktionieren.
Für Haushalte in Südbaden ist die sinnvollste Rechnung oft nicht „Was kostet das billigste Ziel?“, sondern „Wie viel Reisezeit wollen wir kaufen?“. Drei Thermennächte in Slowenien, fünf Tage in Südtirol oder Österreich und eine Woche auf einer Atlantikinsel sind völlig unterschiedliche Produkte. Der Vorteil unserer Region ist, dass viele davon erreichbar sind, ohne dass jede Reise mit einem langen Flughafentag beginnt.

