VW-Konzernchef Oliver Blume hat bei Betriebsversammlungen in den gefährdeten Werken Emden und Zwickau spürbare Einschnitte im Management angekündigt. Angesichts des Spardrucks schaue man auch dort genau hin und baue ein Viertel der Stellen ab, sagte er vor den Beschäftigten in Emden. „Alle Bereiche müssen ihren Teil beitragen; es ist ein Kraftakt, der nur gemeinsam gelingen kann.“

Nach dem Auftakt in Wolfsburg setzte Blume seine Gespräche am Mittwoch in Ostfriesland und Sachsen fort. Beide Werke werden neben Hannover und dem Audi-Standort Neckarsulm als Fabriken genannt, für die es keine „wettbewerbsfähige Belegung“ für die 2030er-Jahre gebe. Klarheit brachte der Auftritt für die Belegschaften allerdings nicht. „Die entscheidenden Fragen sind nicht beantwortet worden“, konstatierte Thomas Knabel, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Zwickau. Mike Rösler, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates von Volkswagen Sachsen, sprach von einer „gemischten Stimmung“: Es habe nicht die Antworten gegeben, die sich viele erhofft hätten, aber auch keine Hiobsbotschaften.

Blume betonte in Emden die schwierige Wettbewerbslage des Standorts. Die Arbeitskosten lägen mehr als doppelt so hoch wie an vergleichbaren europäischen Standorten, auch bei den Fabrikkosten seien andere Werke deutlich günstiger. „Die Welt, auf deren Grundlage wir viele Entscheidungen der vergangenen Jahre getroffen haben, gibt es so nicht mehr“, sagte er. Es gebe Veränderungen, und deshalb müsse die Lage immer wieder neu bewertet werden. In Emden seien die Kosten zwar gesenkt worden, aber weiterhin vergleichsweise hoch. „Das ist kein Vorwurf, es ist die Realität, an der wir uns messen lassen müssen.“

Dass das Werk Emden auf der Kippe stehen soll, hatte überrascht, weil dort Ende 2024 der letzte Verbrenner vom Band gelaufen war und nach einer Milliardeninvestition ausschließlich E-Autos gebaut werden. In dem Werk arbeiten rund 7.700 Beschäftigte. Der Standort gilt in Ostfriesland als der wichtigste industrielle Arbeitgeber. Ähnlich ist die Situation im sächsischen Zwickau, wo Volkswagen der größte private Arbeitgeber der Region ist. Die Fabrik gilt bei VW als Pionier der Elektromobilität: Seit 2020 werden dort ausschließlich E-Fahrzeuge gebaut. Doch nachdem auch andere Standorte in diesen Sektor eingestiegen sind, ist die Auslastung gesunken. Arbeiteten zu Hochzeiten rund 11.000 Beschäftigte in dem Fahrzeugwerk, sind es derzeit noch etwa 8.000. 2027 soll eine der beiden Fertigungslinien komplett stillgelegt werden.

Nach Emden reiste Blume weiter nach Zwickau. Dort demonstrierten vor dem Werkstor VW-Mitarbeiter zusammen mit Beschäftigten von Zulieferern für eine Zukunft des Standorts. „Mama, hast du in 5 Jahren noch Arbeit?“, hieß es auf einem der Plakate, „Vereint für unsere Zukunft kämpfen“ auf einem anderen. Marcel Kuczyk, Vize-Betriebsratsvorsitzender von Schnellecke Logistics in Glauchau, machte deutlich, dass an der Autoproduktion auch viele Jobs bei Zulieferern hängen. Allein am Standort seines Unternehmens arbeiteten rund 600 Menschen, die zu 100 Prozent an der Autofabrik von VW hingen.

Nach Unternehmensangaben lobte Blume in Zwickau die Anstrengungen der Beschäftigten, die Kosten am Standort zu senken. „Ihr habt Kosten gesenkt, Abläufe verbessert und den vereinbarten Personalumbau planmäßig vorangebracht. Kurz gesagt: Ihr habt gezeigt, dass Veränderung möglich ist“, sagte er. „Man kann allen im Konzern nur immer wieder sagen: Schaut nach Sachsen, wie gut das da gelaufen ist.“ Trotzdem sei man nicht am Ziel. Es gehe darum, dauerhaft die Wettbewerbsfähigkeit des Konzerns zu sichern.

Blume bekräftigte, dass es für die Standorte Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm noch keine wettbewerbsfähige Belegung für die 2030er-Jahre gebe. Er stellte aber auch klar, dass es keine Entscheidung zu möglichen Werkschließungen gebe. Sollte es trotz aller Anstrengungen am Ende keine Belegung geben, stehe Volkswagen trotzdem in der Verantwortung. „Wir kämpfen um industrielle Perspektiven und um Beschäftigung für unsere Standorte. Mit Partnern. Mit Investoren. Mit neuen industriellen Lösungen.“

Mit dem Motorenwerk in Chemnitz und der Gläsernen Manufaktur in Dresden hat Volkswagen zwei weitere Standorte in Sachsen. Dort werden Vorstandsmitglieder an diesem Donnerstag erwartet. In Dresden werden schon keine Autos mehr produziert. Vor den Betriebsversammlungen hatte es am Montag ein Spitzentreffen in der sächsischen Staatskanzlei gegeben. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) trafen sich dort mit Blume und VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch. Die Standorte in Sachsen seien eine Perle im VW-Konzern, sagte Panter nun. „So eine Perle darf man nicht vor die Säue werfen.“

Nora Dietrich

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Nachrichtenredakteurin

Nora Dietrich berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.