Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat die bevorstehende Inbetriebnahme des schwimmenden LNG-Importterminals in Stade scharf kritisiert. Anlass ist die für heute erwartete Ankunft des Spezialschiffs «Energos Force» in der Hansestadt. Die Umweltorganisation warnt vor einer wachsenden Abhängigkeit Deutschlands von US-Fracking-Gas und fordert die Bundesregierung auf, den Ausbau fossiler LNG-Infrastruktur umgehend zu stoppen.

Das Terminal in Stade ist das vierte von der bundeseigenen Deutschen Energy Terminal Gesellschaft (DET) betriebene LNG-Terminal. Neben dem schwimmenden Terminalschiff ist langfristig ein landseitiges Terminal geplant, das das schwimmende ersetzen und nach früheren Angaben bis Ende 2043 mit fossilem Erdgas betrieben werden soll. Die Bundesregierung hatte den Aufbau der milliardenschweren Infrastruktur nach dem russischen Angriff auf die Ukraine forciert, um unabhängig von russischen Gaslieferungen zu werden. Mit dem Standort in Stade wird das LNG-Terminalkonzept des Bundes zur Sicherung der Gasversorgung nach Angaben der DET nun vervollständigt.

DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner kritisierte die Entwicklung deutlich: «Das Märchen von der Versorgungssicherheit, mit dem uns damals die zahlreichen LNG-Terminals verkauft wurden, muss alleine wegen der viel zu späten Realisierung platzen.» Die Bundesregierung dürfe Versorgungssicherheit nicht mit möglichst viel fossiler Infrastruktur verwechseln. «Versorgungssicherheit entsteht durch einen sinkenden Gasverbrauch, erneuerbare Energien, Energieeffizienz, Speicher und ein diversifiziertes Energiesystem und nicht durch immer mehr LNG-Lieferungen und -Kapazitäten», sagte er. Die Ankunft des Schiffes sei kein Grund zum Feiern, sondern eine gefährliche Wette auf die Zukunft.

Ein zentraler Kritikpunkt der DUH betrifft die Infrastruktur: Das Terminal in Stade sei zur Verteilung des LNG auf dieselben, bereits voll ausgelasteten Fernleitungen angewiesen wie das bestehende LNG-Terminal in Brunsbüttel. Es sei deshalb fraglich, ob durch das Schiff in Stade in diesem Winter überhaupt zusätzlich Gas eingespeist werden kann. Mit der «Energos Force» gehe drei Jahre nach der fossilen Ausbau-Offensive im Zuge des Ukraine-Kriegs ein weiteres Stück der «milliardenschweren LNG-Infrastruktur» in Betrieb, so Müller-Kraenner.

Die zwischenzeitliche Subcharter des Spezialschiffes «Energos Force» ist beendet, das Schiff wurde am heutigen Tag in der Hansestadt erwartet. Noch in diesem Monat soll der Betrieb in Stade nach jahrelanger Verzögerung beginnen. Für die Inbetriebnahmephase sei die Lieferung von LNG sichergestellt, hieß es von der DET. Im November werde mit einem ersten LNG-Tanker gerechnet.

Das LNG-Terminal in Stade ist Teil einer Reihe staatlich betriebener Anlagen. Neben dem Standort in Stade gibt es zwei schwimmende Terminals in Wilhelmshaven und eines in Brunsbüttel. Das Rügener LNG-Terminal in Mukran wird von dem Unternehmen Deutsche Regas betrieben. Die DUH sieht in der Inbetriebnahme ein falsches Signal und fordert eine Abkehr von der fossilen Energiepolitik.

Niklas Gerhardt

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Politischer Korrespondent

Niklas Gerhardt berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.