Die Bundesanwaltschaft hat zwei mutmaßliche Mitglieder einer in Deutschland aktiven eritreischen Terrorgruppe festnehmen lassen. Die Männer wurden in der Nähe von Saarbrücken und in Stuttgart festgenommen, wie die Karlsruher Behörde mitteilte. Ihnen wird die Mitgliedschaft in einer inländischen terroristischen Vereinigung vorgeworfen.
Die Festgenommenen sollen dem Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe vorgeführt werden, der über die Untersuchungshaft entscheidet. Nach Angaben der Bundesanwaltschaft handelt es sich bei den beiden Männern um einen eritreischen und einen deutschen Staatsangehörigen. Sie sollen maßgeblich am Aufbau der Strukturen der «Brigade N'Hamedu Deutschland» sowie an der Organisation gewaltsamer Aktionen beteiligt gewesen sein. Der Eritreer war demnach zeitweise Generalsekretär der Gruppe, der Deutsche erster Vorsitzender.
Der Vereinigung wird vorgeworfen, das erklärte Ziel zu verfolgen, die Regierung in Eritrea zu stürzen. Dieses Ziel habe sie in Deutschland durch Gewalt bei Veranstaltungen von Anhängern der eritreischen Regierung verfolgt. Die Mitglieder hätten Gewalt gegen deutsche staatliche Institutionen und Repräsentanten der Staatsgewalt – etwa Polizeikräfte, die zum Schutz der Veranstaltungen eingesetzt wurden – als legitimes Mittel erachtet, so die Behörde.
Die Ermittlungen gegen die Gruppe hatten bereits im März 2025 zu einer bundesweiten Razzia geführt. Die Bundesanwaltschaft ließ damals 19 Objekte in Hessen, Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz durchsuchen. Auch in Dänemark fand eine Durchsuchung statt. Nach damaligen Angaben waren 200 Beamte des Bundeskriminalamts und Polizeikräfte der Länder im Einsatz. Festgenommen wurde damals niemand.
Hintergrund der Ermittlungen sind Ausschreitungen am Rande von Eritrea-Festivals in Gießen in den Sommern 2022 und 2023 sowie eines Seminars eines eritreischen Vereins im September 2023 in Stuttgart. Die Eritrea-Festivals in Gießen wurden vom Zentralrat der Eritreer in Deutschland organisiert, der als regierungsnah gilt. Kritiker werfen den Festivalorganisatoren vor, Propaganda für die eritreische Regierung zu betreiben, was die Veranstalter bestreiten.
Das Land am Horn von Afrika mit rund vier Millionen Einwohnern ist durch systematische Repressionen, Gewalt und die Verweigerung grundlegender Menschenrechte geprägt. Die autoritäre Regierung von Präsident Isaias Afwerki unterdrückt nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch und Amnesty International die Bevölkerung durch Zwangsarbeit, erzwungene Wehrpflicht sowie eingeschränkte Meinungs-, Glaubens- und Pressefreiheit. Zudem gibt es Berichte über großflächige Massaker, außergerichtliche Hinrichtungen und sexuelle Gewalt durch Sicherheitskräfte. Die Regierung des Ein-Parteien-Staats, in dem keine Wahlen abgehalten werden, weist die Vorwürfe als politisch motiviert zurück.

