Am 6. September wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt. Viele kennen das Bundesland nur als Durchreisestation auf dem Weg nach Berlin oder an die Ostsee. Doch Sachsen-Anhalt hat mehr zu bieten – von Unesco-Welterbestätten über das größte Autobahnbauprojekt Deutschlands bis hin zu wirtschaftlichen und sozialen Problemen. Zehn Fakten zeichnen ein Bild des Landes zwischen Harz und Elbe.
Touristen zieht es vor allem in den Harz, den sich Sachsen-Anhalt mit Niedersachsen teilt. Höchste Erhebung ist der 1.141 Meter hohe Brocken, der zu Fuß oder mit der Harzer Schmalspurbahn erreicht werden kann. Die Elbe prägt das Bild vieler Städte, darunter die Landeshauptstadt Magdeburg und das mittelalterlich geprägte Tangermünde. Historisch sehen die Sachsen-Anhalter ihr Land als Wiege Deutschlands: Heinrich I. hatte seinen Hauptsitz in Quedlinburg, sein Sohn Otto der Große wurde 962 in Rom zum Kaiser gekrönt und liegt im Magdeburger Dom begraben.
Wirtschaftlich fehlen die ganz großen Firmensitze. Die Hoffnung auf eine Milliardeninvestition des Chipherstellers Intel in Magdeburg hat sich zerschlagen. Das Land gilt oft als verlängerte Werkbank von Unternehmen aus anderen Bundesländern. Die Chemieindustrie beschäftigt rund 13.000 Menschen und erwirtschaftet knapp 20 Prozent des Umsatzes im verarbeitenden Gewerbe. Wegen hoher Energiepreise, schwacher Nachfrage und internationalem Wettbewerbsdruck herrscht derzeit Krisenstimmung. Das bekannteste Produkt des Landes ist Rotkäppchen-Sekt aus Freyburg an der Unstrut.
Statistisch gehört Sachsen-Anhalt in mehrfacher Hinsicht zu den Extremfällen Deutschlands. Nirgends war das mittlere Lohnniveau bei Vollzeitbeschäftigten im vergangenen Jahr niedriger – 3.363 Euro laut Bundesagentur für Arbeit. Die Armutsquote ist die zweithöchste aller Bundesländer hinter Bremen. Etwas mehr als jeder Fünfte hatte weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung. Die Arbeitslosigkeit lag im Juli bei 8,1 Prozent und damit deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 6,4 Prozent. Auch bei den Schulabbrechern ist die Quote hoch: Etwa jeder zehnte Schüler verließ die Schule zuletzt ohne Abschluss – der bundesweit schlechteste Wert.
Die Bevölkerung schrumpft und altert. Männer waren Ende 2024 im Schnitt gut 48 Jahre alt, Frauen knapp über 50. Die Geburtenrate sank im vergangenen Jahr auf einen historischen Tiefstand, die Abwanderung verschärft den Trend. In weniger als zehn Jahren könnte die Einwohnerzahl unter die Zwei-Millionen-Marke fallen, so das Statistische Bundesamt. Arbeitskräfte fehlen. Besonders dünn besiedelt ist die Altmark im Norden: Rund 200.000 Menschen leben dort auf einer Fläche, die etwa doppelt so groß ist wie das Saarland. Im Schnitt kommen etwa 40 Einwohner auf den Quadratkilometer – im Bundesdurchschnitt sind es rund 234.
Kulturell hat das Land einiges zu bieten. Zu den Unesco-Welterbestätten gehören das Bauhaus Dessau, das Gartenreich Dessau-Wörlitz, der Naumburger Dom, Quedlinburg mit seinen Fachwerkhäusern und die Luther-Gedenkstätten in Wittenberg und Eisleben. In Halle ist die Himmelsscheibe von Nebra zu sehen, die weltweit älteste konkrete Himmelsdarstellung. Infrastrukturell entsteht in Sachsen-Anhalt derzeit das größte Autobahnbauprojekt Deutschlands: Auf rund 155 Kilometern soll die größte Autobahnlücke geschlossen werden, um Altmark und Prignitz ans Fernstraßennetz anzuschließen. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 2,3 Milliarden Euro. 74 Kilometer sind bereits befahrbar, die Fertigstellung ist für 2032 geplant.

