Der südkoreanische Leitindex KOSPI ist am Dienstag zum zweiten Mal in Folge massiv eingebrochen und musste zeitweise den Handel aussetzen. Auslöser war eine erneute Verkaufswelle bei den Schwergewichten des Halbleitersektors, allen voran der Speicherchip-Hersteller SK Hynix. Der Index verlor am Vormittag mehr als zehn Prozent, bevor die zuständige Börsenaufsicht einen Handelsstopp verhängte, um die extreme Volatilität einzudämmen.
Im Mittelpunkt des Kurseinbruchs stand SK Hynix. Das Unternehmen hatte am Vorabend trotz Rekordumsätzen und -gewinnen die Erwartungen der Anleger nicht erfüllt. Zwar legte der operative Gewinn im zweiten Quartal im Jahresvergleich deutlich zu, doch die von Analysten erhoffte Steigerung blieb aus. Die Aktie von SK Hynix brach daraufhin um mehr als 20 Prozent ein, was den gesamten KOSPI unter Druck setzte. Der Index hatte bereits am Vortag knapp neun Prozent verloren.
Der Ausverkauf bei Halbleiterwerten griff auch auf andere asiatische Börsen über. In Japan verlor der Nikkei 225 rund fünf Prozent, angeführt von Kursverlusten bei Tokyo Electron und Advantest. Der taiwanesische Leitindex TAIEX gab ebenfalls nach, wobei der Branchenprimus TSMC rund sechs Prozent einbüßte. Marktteilnehmer verwiesen auf die gestiegene Unsicherheit über die künftige Nachfrage nach Speicherchips, insbesondere im Bereich der künstlichen Intelligenz, der zuletzt als Wachstumstreiber galt.
Analysten erklärten die übertriebenen Kursverluste unter anderem mit dem hohen Anteil gehebelter ETFs am asiatischen Markt. Diese Finanzprodukte, die Kursbewegungen überproportional abbilden, hätten die Abwärtsdynamik verstärkt und zu Zwangsverkäufen geführt. Der Handelsstopp im KOSPI sei eine Vorsichtsmaßnahme gewesen, um eine weitere Abwärtsspirale zu verhindern.
Die Turbulenzen am südkoreanischen Aktienmarkt kommen zu einer Zeit, in der die globale Halbleiterbranche ohnehin vor Herausforderungen steht. Handelskonflikte zwischen den USA und China sowie die unsichere Entwicklung der Weltkonjunktur belasten die Stimmung der Investoren. SK Hynix selbst hatte in seiner Ergebnisveröffentlichung einen vorsichtigen Ausblick für das zweite Halbjahr gegeben, was die Sorgen vor einer Abschwächung des KI-Booms weiter anheizte.
Die südkoreanische Finanzaufsicht kündigte an, die Entwicklungen genau zu beobachten und bei Bedarf weitere Maßnahmen zu ergreifen. Der KOSPI notierte nach Wiederaufnahme des Handels weiterhin auf dem niedrigsten Stand seit mehreren Monaten. Viele Anleger hoffen nun auf eine Stabilisierung im Tagesverlauf, doch die Nervosität an den Märkten bleibt hoch.
