Im Handelsstreit zwischen den USA und Kanada ist eine Einigung in letzter Minute gescheitert. US-Präsident Donald Trump lässt nun neue Zusatzzölle in Höhe von 50 Prozent auf zahlreiche kanadische Produkte in Kraft treten. Betroffen sind Waren im Wert von rund 20 Milliarden US-Dollar, darunter Wein, Hockeyschläger, Möbel, Milchprodukte und Zement. Kanadas Premierminister Mark Carney kündigte umgehend Gegenzölle in gleicher Höhe an, um die heimische Wirtschaft zu schützen.

Der von Trump gesetzte Stichtag war in der Nacht zum Samstag erreicht, ohne dass sich beide Seiten einigen konnten. Der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer machte die kanadische Seite für das Scheitern verantwortlich. Kanada habe es abgelehnt, das Handelsabkommen zu den zuvor vereinbarten Bedingungen abzuschließen, zitierte ihn die Plattform „Politico“. Neue Forderungen Kanadas hätten das in den vergangenen Tagen erzielte Gleichgewicht ins Wanken gebracht.

Carney wies die Darstellung zurück. Die kurzfristigen Änderungen an den von den USA vorgeschlagenen Bedingungen seien „unfair“ und wirtschaftlich nicht tragfähig gewesen. Er habe die kanadischen Unterhändler angewiesen, nach Ottawa zurückzukehren. Ziel sei immer gewesen, ein bestmögliches Abkommen für Kanada zu erreichen – „niemals ein Abkommen um jeden Preis oder unter Einhaltung einer bestimmten Frist“. Die Verhandlungen seien bis zur letzten Minute fortgeführt worden.

Das Weiße Haus begründet die neuen Zölle mit „Kanadas diskriminierender Behandlung amerikanischer Produkte“. Genannt wurden etwa Autos, Alkohol und Milchprodukte. Die USA importierten im Jahr 2025 Waren im Wert von 383 Milliarden US-Dollar aus Kanada. Die neuen Abgaben betreffen damit einen verhältnismäßig kleinen Teil der kanadischen Exporte, doch erstmals hat Washington auch Waren ins Visier genommen, die unter das nordamerikanische Freihandelsabkommen fallen.

Die Beziehungen zwischen beiden Ländern haben sich seit Trumps Amtsantritt deutlich verschlechtert. Auslöser sind bereits verhängte Zusatzzölle, wiederholte Drohungen des US-Präsidenten sowie seine mehrfach geäußerte Idee, das Nachbarland zum 51. Bundesstaat der USA zu machen. Als Reaktion auf frühere US-Zölle entfernten viele kanadische Provinzen Alkohol aus den Vereinigten Staaten aus den Verkaufsregalen und riefen Verbraucher zum Kauf heimischer Produkte auf.

Die neue Zollrunde weitet den Streit auf kleinere Hersteller aus. „Frühere Zollrunden konzentrierten sich stark auf Stahl, Aluminium, Automobile und Holz. Diese Runde weitet den Streit auf kleinere Hersteller, Konsumgütermarken, Einzelhändler und Baustofflieferanten aus“, schreibt Andreas Schotter, Professor für internationale Wirtschaft an der kanadischen Wirtschaftshochschule Ivey. Er geht davon aus, dass die Regelung langfristig den Export der betroffenen Güter in die USA reduzieren werde.

Theresa Jungmann

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Theresa Jungmann berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.