Die Deutsche Bank hat im zweiten Quartal einen überraschend hohen Gewinn erzielt. Das größte deutsche Geldhaus meldete unterm Strich einen Überschuss von mehr als 1,6 Milliarden Euro. Damit übertraf das Institut die Prognosen der Analysten deutlich. Den Zuwachs verdankt die Bank vor allem ihrer Investmentbanking-Sparte, die starke Erträge einfuhr.

Konzernchef Christian Sewing zeigte sich optimistisch. Er kündigte an, dass die Bank weitere Aktienrückkäufe in Milliardenhöhe plane. Zugleich bekräftigte er die Renditeziele für das Jahr 2028. Die Deutsche Bank strebt eine Eigenkapitalrendite von über zehn Prozent an. Sewing zeigte sich zuversichtlich, dieses Ziel sogar übertreffen zu können.

Das Quartalsergebnis liegt nahe an der 19 Jahre alten Rekordmarke aus dem Jahr 2007. Damals hatte die Bank vor der Finanzkrise historisch hohe Gewinne erzielt. Nach Jahren der Krise, in denen das Geldhaus mit Skandalen, hohen Kosten und einem schwachen Aktienkurs kämpfte, scheint die Wende nun endgültig gelungen. Die Erlöse stiegen im zweiten Quartal stärker als erwartet, getragen von der Investmentbank, aber auch von anderen Bereichen wie dem Firmenkundengeschäft.

Analysten reagierten positiv auf die Zahlen. Sie sprachen von einem «starken Signal» für die deutsche Bankenbranche. Die Aktie der Deutschen Bank legte nach Bekanntgabe der Zahlen im vorbörslichen Handel deutlich zu. Anleger werteten vor allem die Ankündigung der Aktienrückkäufe als Vertrauensbeweis des Managements in die eigene Zukunft.

Das Investmentbanking profitierte von höheren Gebühreneinnahmen im Beratungsgeschäft sowie von einem robusten Handel mit Anleihen und Devisen. Auch das Zinsgeschäft trug zum Anstieg bei, da die Europäische Zentralbank die Leitzinsen in den vergangenen Monaten weiter angehoben hatte. Die Deutsche Bank konnte davon profitieren, weil sie ihre Einlagenkosten nur zögerlich weitergab, während die Kreditzinsen schneller stiegen.

Die Kostenentwicklung blieb unter Kontrolle. Das Institut hält an seinem Sparkurs fest und treibt die Digitalisierung voran. Die Zahl der Beschäftigten soll weiter sinken, während gleichzeitig in neue Technologien investiert wird. Die Bank bekräftigte ihr Ziel, bis 2028 die Kostenbasis um weitere Milliarden zu reduzieren.

Vor dem Hintergrund der positiven Geschäftsentwicklung plant der Vorstand, die Aktionäre stärker am Gewinn zu beteiligen. Neben den Aktienrückkäufen soll auch die Dividende erhöht werden. Sewing sprach von einer «neuen Ära» für das Geldhaus. Die Transformation sei weit fortgeschritten. Die Bank sei heute profitabler, schlanker und widerstandsfähiger als noch vor wenigen Jahren.

Trotz des Erfolgs bleiben Herausforderungen bestehen. Die Konjunktur in Deutschland und Europa schwächelt, geopolitische Spannungen belasten die Märkte. Die Deutsche Bank warnte vor möglichen Auswirkungen auf das Kreditgeschäft. Dennoch zeigte sich der Konzern zuversichtlich, auch in diesem Umfeld seine Ziele zu erreichen. Die Kapitalquote lag mit über 14 Prozent weiterhin auf einem komfortablen Niveau.

Mit dem Milliardengewinn im zweiten Quartal untermauert die Deutsche Bank ihre Rückkehr in die Spur des Erfolgs. Die Anleger reagierten erleichtert, die Analysten hoben ihre Kursziele an. Der Aktienkurs notierte am Morgen nach der Veröffentlichung rund drei Prozent im Plus. Ob die Bank ihren Höhenflug fortsetzen kann, hängt auch von der weiteren Zinsentwicklung und der globalen Wirtschaftslage ab.