Die Hamburger Privatbank Berenberg hat nach dem von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) erzwungenen Austausch ihrer Geschäftsleitung Fehler eingeräumt und den lange ausstehenden Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2025 vorgelegt. Das traditionsreiche Bankhaus teilte mit, dass die Unregelmäßigkeiten bei der Erstellung des Abschlusses aufgefallen seien. Eine vom Verwaltungsrat veranlasste Untersuchung habe ergeben, dass Ergebnisse der Bank geschönt und Kredite zu unüblichen Bedingungen an Mitglieder der früheren Geschäftsleitung vergeben worden seien. Das Kundengeschäft sei von den Vorfällen nicht betroffen gewesen, betonte das Institut.

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte habe den Jahresabschluss 2025 am Montag uneingeschränkt testiert, erklärte Berenberg weiter. Demnach erzielte die Bank im vergangenen Geschäftsjahr einen Jahresüberschuss von 20,2 Millionen Euro. Dies bedeutet einen deutlichen Rückgang im Vergleich zum Vorjahr, als der Überschuss noch bei 81,6 Millionen Euro gelegen hatte. Die strittigen Vorfälle unter der vorherigen Geschäftsleitung seien in dem nun vorgelegten Jahresabschluss verarbeitet worden. Die Bank betonte, dass die finanziellen Auswirkungen der festgestellten Verstöße im Abschluss berücksichtigt seien.

Berenberg hatte am 19. Juni überraschend mitgeteilt, dass die gesamte Geschäftsleitung der Bank ausgetauscht worden sei. Die Finanzaufsichtsbehörde Bafin setzte daraufhin zwei Sonderbeauftragte ein, um die Vorgänge zu überwachen. Hintergrund waren Hinweise auf mögliche sogenannte Corporate-Governance-Verstöße, die während der Prüfung des Jahresabschlusses 2025 aufgetaucht waren. Die Bafin hatte die genauen Vorwürfe zunächst nicht näher erläutert, doch nun wurden die Hintergründe durch die Bank selbst öffentlich gemacht.

Nach Informationen der «Wirtschaftswoche» hat ein Vertreter der früheren Geschäftsleitung Widerspruch gegen den Bescheid der Bafin eingelegt. Der Anwalt des Managers bestätigte den Vorgang auf Anfrage. Dies deutet darauf hin, dass die rechtliche Auseinandersetzung um die Vorwürfe und die Maßnahmen der Aufsichtsbehörde noch nicht abgeschlossen ist. Die Privatbank selbst scheint bestrebt, mit der Veröffentlichung des testierten Abschlusses einen Schlussstrich unter die Affäre zu ziehen und das Vertrauen von Kunden und Geschäftspartnern zurückzugewinnen.

Die Vorfälle bei Berenberg werfen ein Schlaglicht auf die internen Kontrollmechanismen in der Finanzbranche. Die Hamburger Privatbank, die zu den ältesten Banken Deutschlands zählt, steht nun vor der Aufgabe, ihre Governance-Strukturen zu überprüfen und zu stärken. Die Einsetzung der Sonderbeauftragten durch die Bafin unterstreicht die Schwere der Vorwürfe. Für die neue Geschäftsleitung wird es eine zentrale Herausforderung sein, das Vertrauen der Aufsichtsbehörden und der Öffentlichkeit wiederherzustellen und gleichzeitig das operative Geschäft stabil zu halten.

Der nun vorgelegte Jahresabschluss zeigt, dass die Bank trotz der internen Turbulenzen operativ profitabel geblieben ist, wenn auch mit deutlich geringerem Gewinn. Die Reduzierung des Jahresüberschusses von 81,6 auf 20,2 Millionen Euro spiegelt nicht nur die finanziellen Auswirkungen der Unregelmäßigkeiten wider, sondern auch mögliche Belastungen durch die Neubewertung von Krediten und Rückstellungen. Die Bank hat angekündigt, aus den Vorfällen zu lernen und die internen Prozesse zu verbessern, um ähnliche Vorkommnisse in Zukunft zu verhindern.