Neun Tage nach der verheerenden Sturzflut im Himalaya haben Rettungskräfte in Nepal zwei Arbeiter lebend aus einem Tunnel eines Wasserkraftwerks geborgen. Die beiden Männer wurden nach stundenlanger Arbeit aus dem verschütteten Stollen befreit. „Wir sind Gott einfach dankbar“, sagten die Geretteten nach ihrer Rettung gegenüber den Helfern. Die Sturzflut hatte in Nepal und der angrenzenden Region Tibet mehr als 1300 Menschen das Leben gekostet.

Die Rettungsmannschaften hatten die beiden Arbeiter in dem Tunnelsystem entdeckt, nachdem sie tagelang nach Überlebenden gesucht hatten. Die Männer hatten sich in dem Tunnel des Wasserkraftwerks in Sicherheit gebracht, als die Flutwelle durch die Anlage fegte. Wie sie die neun Tage ohne nennenswerte Versorgung überleben konnten, ist bislang nicht vollständig geklärt. Rettungskräfte sprachen von einem „Wunder“ und lobten den Überlebenswillen der beiden Männer.

Die Flutkatastrophe hatte weite Teile der Himalaya-Region verwüstet. Heftige Regenfälle hatten Flüsse über die Ufer treten lassen und Schlammlawinen ausgelöst, die ganze Dörfer unter sich begruben. Besonders betroffen waren abgelegene Täler in Nepal sowie Gebiete auf der tibetischen Seite des Gebirges. Die Behörden gehen davon aus, dass die Zahl der Todesopfer weiter steigen könnte, da viele Orte noch immer von der Außenwelt abgeschnitten sind.

Mehr als 5600 Menschen werden nach Angaben der Behörden weiterhin vermisst. Unter den Vermissten befinden sich zahlreiche Arbeiter, die beim Bau und Betrieb von Wasserkraftwerken in der Region beschäftigt waren. In mehreren Tunnelsystemen solcher Anlagen werden noch immer Hunderte Arbeiter vermisst. Die Rettungskräfte setzen ihre Suche unvermindert fort, auch wenn die Aussichten, weitere Überlebende zu finden, von Tag zu Tag sinken.

Die nepalesische Regierung hat in den betroffenen Gebieten den Notstand ausgerufen und internationale Hilfsorganisationen um Unterstützung gebeten. Die Bergung der beiden Arbeiter gibt den Einsatzkräften neuen Auftrieb, die seit mehr als einer Woche unter schwierigsten Bedingungen nach Überlebenden suchen. Die Infrastruktur in der Region ist vielerorts zerstört, Straßen sind unterspült und Brücken weggerissen worden, was die Rettungsarbeiten erheblich erschwert.

Die beiden geretteten Arbeiter wurden nach ihrer Befreiung medizinisch versorgt und in ein Krankenhaus gebracht. Über ihren Gesundheitszustand machten die Behörden zunächst keine näheren Angaben. Die Rettung gilt als eines der wenigen positiven Ereignisse inmitten der verheerenden Katastrophe, die die Himalaya-Region in den vergangenen Tagen heimgesucht hat.

Sebastian Mertens

Autor

Wirtschaftsanalyst

Sebastian Mertens berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.