Die US-amerikanische Journalistin und feministische Galionsfigur Gloria Steinem ist tot. Sie starb am Mittwoch in ihrem Zuhause in New York, wie ihre Stiftung am Donnerstag auf Instagram mitteilte. Steinem wurde 92 Jahre alt. Sie gehörte zu den bekanntesten Vertreterinnen der Frauenrechtsbewegung in den USA und gründete in den 1970er-Jahren die feministische Zeitschrift „Ms.“.
Ihre Stiftung würdigte Steinem als Aktivistin und Autorin, die sich „bis zum Ende für die Gleichstellung eingesetzt“ habe. Ihre „größte Gabe“ sei die Fähigkeit gewesen, anderen zuzuhören „und ihnen das Gefühl zu geben, gesehen und gehört zu werden“. Steinem sei ihrem unabhängigen Geist treu geblieben, stets voller Neugier und mit einem großartigen Sinn für Humor.
Prominente US-Demokraten würdigten ihre Vorreiterrolle. Ex-Präsident Barack Obama schrieb auf X, dank ihrer Kämpfe und Erfolge „gehen Generationen von Frauen nun ein Stück aufrechter und streben ein Stück weiter“. Die frühere Außenministerin Hillary Clinton nannte Steinem in einer Erklärung eine Pionierin, die den Weg „nicht nur für sich selbst, sondern für Millionen von Frauen nach sich“ geebnet habe. Nancy Pelosi, einflussreiche Demokratin, erklärte auf X, Steinem habe „Generationen von Frauen inspiriert, die sich ihrer Macht bewusst geworden sind“.
Bevor Steinem zur führenden Figur der Frauenrechtsbewegung wurde, begann sie in den 1960er-Jahren ihre Karriere im Journalismus. 1963 veröffentlichte sie eine Enthüllungsreportage über den allgegenwärtigen Sexismus, dem Kellnerinnen im New Yorker Playboy Club ausgesetzt waren. Ihr feministisches Erwachen führte sie auf ein Treffen im Jahr 1969 zurück, bei dem Frauen über ihre Erfahrungen mit Abtreibungen sprachen. „Das verlieh meiner eigenen Erfahrung einen Sinn – ich hatte abgetrieben und es niemandem gesagt“, schrieb sie später im „New York Magazine“. Danach verlagerte sie ihren Schwerpunkt vom Journalismus auf öffentliche Vorträge und reiste jahrzehntelang weltweit zu Konferenzen und Demonstrationen.
In den 1970er-Jahren gründete Steinem die Zeitschrift „Ms.“ und die Frauenrechtsorganisation National Women's Political Caucus. In Houston organisierte sie die erste nationale Frauenkonferenz der USA. In den Augen einiger junger Feministinnen steht Steinem allerdings für einen veralteten Feminismus. Kritik erfuhr sie etwa wegen ihrer Verteidigung von US-Präsident Bill Clinton im Jahr 1998, dem sexuelle Belästigung vorgeworfen wurde.
Steinem wurde am 25. März 1934 im US-Bundesstaat Ohio geboren. Als sie zehn Jahre alt war, ließen sich ihre Eltern scheiden. Fortan musste sie sich um ihre Mutter kümmern, die unter Depressionen litt. Nach Jahrzehnten des Single-Daseins heiratete Steinem mit 66 Jahren den Geschäftsmann David Bale, Vater des Schauspielers Christian Bale. Auf die Frage, ob sich ihre Haltung zur Ehe verändert habe, sagte sie damals: „Ich habe mich nicht verändert. Die Ehe hat sich verändert.“
Bis zuletzt blieb Steinem in der feministischen Bewegung aktiv. Als der Oberste Gerichtshof der USA 2022 das Recht auf Abtreibung kippte, erklärte sie: „Das wird nur dazu führen, dass Abtreibungen unsicher werden.“

