Die Oberbürgermeisterin von Wuppertal, Miriam Scherff (SPD), hat der Deutschen Bahn in einem offenen Brief schweres Missmanagement vorgeworfen. Auslöser sind wiederholte Störungen im Zugverkehr rund um die Stadt, die seit Wochen den Alltag tausender Pendler, Familien und Schüler beeinträchtigen. Scherff spricht von einer „Krone des Missmanagements“ und fordert eine sofortige Modernisierung der Infrastruktur.

Seit Monaten leiden die Bürger der Stadt unter den Folgen einer Generalsanierung der wichtigen Strecke von Wuppertal nach Köln, die seit Februar voll gesperrt ist. In Spitzenzeiten sind rund 200 Ersatzbusse im Einsatz, um die Pendler zu befördern. Doch die jüngsten Ereignisse haben die Situation weiter verschärft. Am 18. Juni fiel ein Stellwerk zwischen Düsseldorf und Wuppertal aus, was dazu führte, dass zwei Wochen lang keine Züge durch Wuppertal fahren konnten. Nach einer kurzen Reparatur fiel das Stellwerk erneut aus. Als der Verkehr am Donnerstagmorgen wieder anrollen sollte, sorgten Signalstörungen für weitere Ausfälle. Am Freitag legte dann eine defekte Weiche zwischen Wuppertal und Hagen den Berufsverkehr lahm. S-Bahnen und Regionalzüge fielen aus oder wurden weiträumig umgeleitet, einige Züge wurden bereits in Essen und Düsseldorf gestoppt.

Scherff betont in ihrem Schreiben an den Konzernbevollmächtigten der Bahn für Nordrhein-Westfalen, dass die Bahn sich bewusst gegen eine Modernisierung der Stellwerke rund um Wuppertal entschieden habe. „Entgegen vieler kritischer Stimmen im Laufe des letzten Jahres auch aus Wuppertal haben Sie sich bewusst entschieden, die Stellwerke rund um unsere Stadt nicht zu modernisieren – und ich habe den Eindruck, dass Ihnen und leider auch uns das jetzt auf die Füße fällt“, schreibt sie. Die Ausfälle der letzten Tage zeigten, wie labil die bestehende Infrastruktur sei, wenn ein einzelnes Stellwerk oder eine Weiche den Bahnverkehr über Tage lahmlege.

Die Folgen für die Bürger seien „verheerend“, so Scherff. Sie erhalte täglich Mails, Instagram-Nachrichten und Rückmeldungen aus Gesprächen, die die Belastung des Alltags schilderten. „Die Arbeitnehmenden kommen zu spät zu ihrem Job oder die Jugendlichen zu spät zur Schule, was negative Konsequenzen mit sich bringt, oder Kinder werden zu spät aus der Kita abgeholt, was unsere Kleinsten und das Familienleben stark belastet“, beschreibt die Oberbürgermeisterin die Situation. Sie unterstreicht, dass die Bürger sich darauf verlassen können müssten, dass der Staat und seine Infrastruktur zuverlässig und planungssicher funktionieren. Die Probleme der letzten Tage, Wochen und Monate untergrüben die Akzeptanz des öffentlichen Verkehrs als Ganzes.

Scherff fordert die Manager der Deutschen Bahn auf, die Ursachen der Störungen konsequent aufzuarbeiten und die Technik umgehend und umfassend zu modernisieren. Die Infrastruktur müsse leistungsfähiger und widerstandsfähiger gestaltet werden, und dies mit höchster Priorität. Die Generalsanierung der Strecke nach Köln soll am kommenden Freitag abgeschlossen werden, doch die wiederholten Störungen auf den anderen Strecken lassen Zweifel an der Zuverlässigkeit des Gesamtsystems aufkommen. Die Bahn selbst hat die Reparatur der defekten Weiche bestätigt und geht davon aus, dass sich der Zugverkehr im Laufe des Vormittags normalisieren wird. Für viele Pendler in Wuppertal bleibt die Situation jedoch angespannt, da die Sanierungsarbeiten und die technischen Pannen den Alltag seit Monaten prägen.

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Reporterin

Theresa Jungmann berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.