Im Winter droht der Ukraine erneut ein harter Abschnitt: Experten erwarten Strom- und Wasserausfälle, während die Luftverteidigung des Landes an Kraft verliert. Drohnen- und Raketenangriffe auf zivile und militärische Ziele gehen unvermindert weiter. Bundeskanzler Friedrich Merz traf in Berlin den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und sagte weitere deutsche Unterstützung zu.

Zugleich gewinnt in Deutschland die Frage an Gewicht, ob es Verhandlungen mit Wladimir Putin geben sollte. Der Friedensflügel der SPD drängt darauf, Gespräche nicht länger zu verschieben. Der Autor des Tagesanbruchs hält dagegen, dass Gespräche nicht den Eindruck von Schwäche erwecken dürfen. Der Kreml, so die Argumentation, würde jede erkennbare Bereitschaft zu Zugeständnissen als Signal lesen, dass sich Druck auf den Westen lohnt.

Als Beleg für diese Sorge wird auf frühere Versuche verwiesen. Die Moskau-Reise von William Burns im Jahr 2021 habe die Invasion nicht verhindert. Auch die Bemühungen von US-Präsident Donald Trump, mit Moskau zu einer Einigung zu kommen, haben bislang keine Zugeständnisse gebracht. Eine Reise von CIA-Direktor John Ratcliffe nach Moskau im August wurde in dieser Lesart ebenfalls als Zeichen der Schwäche gewertet.

Zur Lage Russlands heißt es in dem Beitrag, die Zahl der russischen Kriegstoten liege nach Schätzungen bei über einer halben Million, möglicherweise sogar höher. Gleichzeitig treffen ukrainische Drohnen russische Raffinerien und Ziele tief im Landesinneren. Die russischen Vorräte an Raketen und Drohnen gelten als ausreichend, die Produktion als hoch. Der Kreml, so die Einschätzung, setze auf Spaltungen in den USA, in der NATO und in Europa.

In den Blick geraten auch politische Entwicklungen im Westen. Eine mögliche Niederlage Trumps bei den Zwischenwahlen könnte der Kreml als Chance begreifen. Als weiteres Risiko wird Unruhe in Frankreich genannt, die sich zu einer staatlichen Krise ausweiten könnte. Ein möglicher Sieg von Marine Le Pen bei der Präsidentschaftswahl im Mai wird ebenfalls als Gefahr beschrieben.

Der Autor rechnet nicht damit, dass vor dem Ende des Winters ernsthafte Gespräche stattfinden. Ein diplomatisches Zeitfenster könne sich möglicherweise erst nach dem Mai öffnen. Ob Verhandlungen dann erfolgreich wären, sei völlig offen.

Parallel berichten kurze Meldungen von weiteren Gewalttaten am Boden. Russland meldet sieben Tote durch ukrainische Schläge in der Region Luhansk, russische Drohnenangriffe verletzten in Dnipro drei Menschen. Trump empfing im Weißen Haus den russischen Unterhändler Kirill Dmitrijew und brachte ein mögliches Abkommen ins Gespräch. Die Gegenseite hat sich dazu bislang nicht in der Tiefe geäußert, die Ergebnisse dieses Treffens bleiben offen.

2Aufrufe

Theresa Jungmann

Autor

Reporterin

Theresa Jungmann berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.