Das Weiße Haus hat einen eigenen Streamingkanal mit dem Namen «Trump TV: The Essentials Station» gestartet. Der Kanal ist auf der Website des Weißen Hauses sowie auf YouTube abrufbar und zeigt rund um die Uhr Inhalte, die die Regierung von US-Präsident Donald Trump in ein positives Licht rücken. Nach Angaben des Weißen Hauses soll das Programm täglich «die besten Momente aus der Vergangenheit, Ankündigungen sowie die neuesten und wichtigsten Nachrichten aus der Regierung» präsentieren. Eigene journalistische Produktionen oder kritische Hintergrundberichte waren zum Start nicht zu sehen.
Der Start des Kanals fällt in eine Phase eskalierender Spannungen zwischen dem Weißen Haus und großen Teilen der US-Medien. Erst am Freitag zuvor hatte Trump mehreren renommierten Nachrichtensendern die Akkreditierung für das Weiße Haus entziehen lassen. Betroffen waren CNN, MS NOW und Politico. Zur Begründung hieß es, diese Sender verbreiteten «Fake News». Der Schritt löste in der Medienbranche Empörung aus und führte zu einem in der Geschichte der US-Medienlandschaft beispiellosen Boykott. Die Fernsehsender ABC, CBS, NBC und Fox News schlossen sich zusammen und erklärten, bis auf Weiteres keine gemeinsamen Termine des Präsidenten mehr zu begleiten. Auch Fox News, lange als Trump-freundlicher Sender bekannt, solidarisierte sich mit den ausgeschlossenen Stationen. Zudem reichten die betroffenen Sender Klage ein, um ihren direkten Zugang zu Presseauftritten des Präsidenten zurückzuerlangen.
Beobachter deuten den Start von «Trump TV» als Revanche des Weißen Hauses für den Boykott. Trump selbst hatte wiederholt beklagt, die Medien berichteten zu wenig über seine Erfolge. Das Weiße Haus teilte mit, «nicht jeder wichtige Moment» habe es bisher ins Fernsehen geschafft. Mit dem neuen Kanal sei dies nun möglich. US-Vizepräsident JD Vance bezeichnete den Ausschluss der Sender als «vollkommen angemessen». Der Präsident habe jedes Recht, «diese Propaganda» zu verbieten. Die Berichterstattung von CNN, MS NOW und Politico über Trump und seine Regierung sei zu «92 Prozent negativ», behauptete Vance. Die Sender würden ihre Akkreditierung zurückerhalten, wenn sie sich endlich wie «richtige Nachrichtensender» verhielten.
Wie das Weiße Haus sich einen solchen Nachrichtensender vorstellt, war auf «Trump TV» unmittelbar nach dem Start zu beobachten. Gezeigt wurden martialische Dokumentationen, patriotische Veranstaltungen und ausführliche Lobreden auf Donald Trump in Endlosschleife. Zum Auftakt lief eine Rede des Präsidenten, die er am 3. Juli dieses Jahres am Mount Rushmore gehalten hatte und in der er sich vor allem selbst lobte. Auch die Feier zum 250. Gründungstag des US Marine Corps wurde ausgestrahlt, allerdings handelte es sich um eine Aufzeichnung aus dem November 2025. Ein Redner, ein ehemaliger Marine, pries in seiner Ansprache neben Jesus Christus auch die US-Spezialkräfte und die Regierung Trump. Aktualität, wie sie von Nachrichtensendern gewohnt ist, scheint für den Kanal keine Priorität zu haben. Das Interesse hielt sich zum Start in Grenzen: Auf YouTube verfolgten zeitweise nur etwas mehr als 2.000 Zuschauer das Programm.
Wie unter anderem das Magazin «Forbes» berichtete, soll Trumps enge Vertraute und Kommunikationsmitarbeiterin Natalie Harp dem Präsidenten zuvor erneut eine Sammlung unvorteilhafter Berichte über ihn vorgelegt haben. Ob dies unmittelbar mit dem Start des Kanals zusammenhängt, ist nicht bestätigt. Der Schritt reiht sich jedoch in eine Reihe von Maßnahmen ein, mit denen das Weiße Haus die Kontrolle über die eigene Außendarstellung ausweitet und kritische Berichterstattung zurückdrängt. Der Medienboykott der großen US-Sender und die Klage der ausgeschlossenen Häuser dürften die Auseinandersetzung weiter anheizen.
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