Bundesaußenminister Johann Wadephul setzt am dritten Tag seiner Afrikareise in Nigeria auf den Ausbau der bilateralen Beziehungen. In der nigerianischen Wirtschaftsmetropole traf er Influencer und Kreativschaffende, darunter einen Musiker, einen Unternehmer aus der Kulturbranche und eine Filmemacherin. Der Minister zeigte sich beeindruckt vom Kreativgeist der jungen Menschen und sagte, Europa und Deutschland könnten viel von ihnen lernen. Das Treffen war Teil einer Wirtschaftsaußenpolitik, die Wadephul auch in Afrika vorantreibt.

Wadephul wird auf seiner Reise durch Mauretanien, Nigeria und Südafrika von Wirtschaftsvertretern begleitet. Er rief die deutsche Wirtschaft zu mehr Flexibilität bei Investitionen auf dem afrikanischen Kontinent auf. „Alle müssen sich bewegen. Alle müssen flexibler werden. Und das gilt auch für die deutsche Wirtschaft“, erklärte der Minister am Dienstagnachmittag. Er fügte hinzu: „Wer heute nicht in Afrika präsent ist, der riskiert, entscheidende Chancen zu verpassen.“ Es ist bereits die dritte Afrikareise Wadephuls in diesem Jahr, nach Besuchen in Kenia und Äthiopien im Januar sowie in Marokko im April.

Die Bundesregierung sucht vor dem Hintergrund der protektionistischen Handels- und Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump weltweit nach neuen Wirtschaftspartnern. Nigeria ist mit mehr als 240 Millionen Einwohnern Afrikas bevölkerungsreichster Staat, der größte Binnenmarkt des Kontinents und eine seiner größten Volkswirtschaften. Mit einem niedrigen Durchschnittsalter gilt das Land als vielversprechender Zukunftsmarkt. Bereits heute ist Nigeria nach Südafrika der zweitwichtigste Handelspartner Deutschlands in Subsahara-Afrika. Allerdings sind bislang nur etwa 80 deutsche Unternehmen in Nigeria vertreten, und größere Neuinvestitionen blieben zuletzt aus.

Ein weiteres zentrales Motiv der Reise ist die Suche nach Rohstoffpartnerschaften. Deutschland möchte sich unabhängiger von China bei der Versorgung mit Seltenen Erden und kritischen Rohstoffen machen, die für Zukunftstechnologien unverzichtbar sind. Auch die Energieversorgung spielt eine Rolle. Mauretanien, das Wadephul am Montag besuchte, bietet nach Einschätzung von Experten große Potenziale bei erneuerbaren Energien und grünem Wasserstoff. Nigeria ist Afrikas größter Ölproduzent und lebt zu einem großen Teil von den Einnahmen aus dem Rohölexport. Seit 2008 gibt es eine deutsch-nigerianische Energiepartnerschaft, die vom Auswärtigen Amt geführt wird. 2022 wurde in Abuja ein deutsch-nigerianisches Wasserstoffbüro eröffnet. Doch auch China ist bereits stark in Nigeria präsent: Peking ist ein wichtiger bilateraler Handelspartner mit wachsenden Investitionen in den Bereichen Infrastruktur, Bergbau, Mobilfunk und Rüstung.

Wadephul verspricht deutsche Investitionen in mehr Sicherheit und gegen Extremismus und Terrorismus. Dieser Ansatz hat auch eine migrationspolitische Dimension. In Westafrika und der Sahel-Region herrscht nach mehreren Militärputschen eine Dauerkrise. Mit einer verstärkten Sicherheitszusammenarbeit mit Mauretanien und Nigeria versucht Deutschland, neue größere Flüchtlingsbewegungen in Richtung Europa zu verhindern. Denn auch nach Nigeria schwappt die Sahel-Krise und der Terrorismus über.

Mauretanien, Nigeria und Südafrika gelten der Bundesregierung als wichtige Partner beim Einsatz für internationale Krisenlösung und in multilateralen Organisationen wie den Vereinten Nationen. Dies steht im Gegensatz zu den USA, die sich etwa aus verschiedenen UN-Organisationen zurückgezogen haben. Nigeria wird als politische Führungsmacht angesehen, die sich in multilaterale und regionale Foren einbringt. Wadephul plant daher auch einen Besuch des Sekretariats der Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten (Ecowas) in der Hauptstadt Abuja. Südafrika, das der Minister am Donnerstag besuchen will, gilt seit langem als deutscher Schlüsselpartner in Afrika. Mit knapp 600 deutschen Firmen ist es der bei weitem bedeutendste Handelspartner Deutschlands auf dem Kontinent. Wadephul bezeichnete das Land als „zentralen Ankerpunkt“ für die deutsche Wirtschaft und sieht besonders bei der Energiewirtschaft und im Rohstoffbereich große Chancen für eine verstärkte Zusammenarbeit. „Als entschiedener Verfechter des Multilateralismus und als einziges afrikanisches G20-Mitglied“ habe Südafrika besonderes Gewicht, so der Minister.