Das US-Militär hat nach eigenen Angaben eine neue Angriffswelle gegen iranische Ziele eingeleitet. Die Operation begann am Montag um 22.45 Uhr MESZ, wie das zuständige Regionalkommando Centcom auf der Plattform X mitteilte. Ziel der Angriffe sei es, die Fähigkeit des Irans weiter einzuschränken, unschuldige Zivilisten und die Handelsschifffahrt in der strategisch wichtigen Straße von Hormus zu attackieren.

Kurz zuvor hatte US-Präsident Donald Trump in einem Radiointerview weitere harte Schläge gegen den Iran angekündigt. Das US-Militär werde heute Abend und morgen hart zuschlagen, sagte er am Montagnachmittag (Ortszeit). Der Iran könne nichts dagegen tun. Trump deutete dabei auch an, dass die USA eine tief unter der Erde gelegene Einrichtung angreifen könnten, die als „Pickaxe Mountain“ bekannt ist. Über deren Zweck wird wegen der Nähe zur Atomanlage Natans seit längerem spekuliert. Eine These lautet, dass der Iran dort eine geheime Anlage zur Urananreicherung errichten wolle, die für den Bau von Atomwaffen genutzt werden könnte. Pickaxe sei ein mögliches Ziel für einen „großen, fetten“ Angriff, so Trump. Es werde wahrscheinlich „relativ bald“ passieren.

Parallel zu den US-Angriffen haben die Vereinigten Arabischen Emirate nach eigenen Angaben iranische Attacken auf zwei ihrer Öltanker in der Straße von Hormus gemeldet. Dabei sei ein Besatzungsmitglied getötet worden. Die Angriffe auf die Tanker verschärfen die ohnehin angespannte Lage in der Region weiter. Die Straße von Hormus gilt als eine der wichtigsten Handelsrouten für den weltweiten Öltransport.

Die jüngsten Aktionen sind Teil einer Eskalationsspirale, die sich in den vergangenen Tagen wiederholt verstärkt hat. US-Streitkräfte hatten nach einer vorübergehenden Kampfpause erneut iranische Ziele angegriffen. Das Militär begründete dies mit Attacken des Irans auf Schiffe in der Straße von Hormus. Der Iran reagierte auf die US-Angriffe wiederum mit Vergeltungsangriffen, etwa auf Golfstaaten, in denen die USA wichtige Militärstützpunkte unterhalten. All dies befeuert in der Region die Sorge vor einem Wiederaufflammen des Krieges, zumal Trump die Waffenruhe mit Teheran vor wenigen Tagen für beendet erklärt hatte.

Erst vor knapp einem Monat war ein Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran in Kraft getreten. Es sollte den Startpunkt für vertiefte Verhandlungen mit dem Ziel eines dauerhaften Kriegsendes bilden. In einem Zeitraum von zunächst 60 Tagen sollte der Fokus der Gespräche aus Sicht der USA vor allem auf Irans umstrittenem Atomprogramm liegen. Doch anstatt intensiv über Atomfragen zu verhandeln, wird wieder gekämpft. Die Vereinbarung zwischen beiden Seiten scheint weitestgehend ausgehöhlt. Die Aufhebung von Sanktionen oder Seeblockaden, die im Zuge des Abkommens vollzogen wurden, sind inzwischen revidiert worden.

Ein zentraler Punkt des Rahmenabkommens war die Regelung der Schifffahrt durch die Straße von Hormus. Mit der Unterzeichnung sollte sich die Islamische Republik „nach besten Kräften“ darum bemühen, Handelsschiffen eine sichere und für 60 Tage gebührenfreie Passage zu ermöglichen. Ferner sollten der Iran und das Sultanat Oman unter Einbeziehung weiterer Golfanrainer über die künftige Verwaltung der Meerenge beraten. Die vage Formulierung „nach besten Kräften“ ließ jedoch viel Interpretationsspielraum und wurde dafür kritisiert. Knapp vier Wochen nach Inkrafttreten des Abkommens ist die Zukunft der freien Handelsschifffahrt in der für den weltweiten Ölhandel zentralen Meerenge nach mehrfachen gegenseitigen Angriffen weiter ungewiss.

Trump schrieb am Montag auf der Plattform Truth Social, dass künftig das US-Militär Sorge dafür tragen solle, dass Frachter sicher die Meerenge passieren können. Die USA und der Iran ringen weiterhin um die Kontrolle und um Deutungshoheit über die strategisch bedeutende Wasserstraße. Die anhaltenden Kämpfe und die Unsicherheit in der Region lassen befürchten, dass eine diplomatische Lösung in weite Ferne gerückt ist.