Der langjährige republikanische US-Senator Lindsey Graham ist tot. Er starb am Samstagabend nach kurzer und schwerer Krankheit, wie sein Büro auf den Plattformen X und Facebook mitteilte. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge wurde der Politiker 71 Jahre alt. Graham vertrat seit 2003 den Bundesstaat South Carolina im US-Senat und galt als einer der einflussreichsten Außenpolitiker seiner Partei.

Graham war ein enger Vertrauter von US-Präsident Donald Trump, obwohl ihre Beziehung nicht immer spannungsfrei verlief. In den vergangenen Jahren hatte er sich mehrfach öffentlich hinter Trump gestellt und dessen politische Agenda unterstützt. Zuletzt sprach sich Graham deutlich für einen Machtwechsel im Iran aus und forderte eine härtere Gangart gegenüber der Führung in Teheran.

Der Senator war gerade von einer Reise aus der Ukraine zurückgekehrt, wo er sich ein Bild von der Lage in dem von Russland angegriffenen Land gemacht hatte. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj dankte Graham am Freitag auf X für dessen zehnten Besuch und verbreitete Aufnahmen von ihrem Treffen. Graham galt als überzeugter Unterstützer der Ukraine im Abwehrkampf gegen die russische Invasion.

Die Familie des Verstorbenen bat in der Mitteilung seines Büros um die Wahrung der Privatsphäre während dieser schwierigen Zeit. Für den Samstag war bei NBC News eigentlich ein Interview mit Graham geplant gewesen, wie der Sender berichtete. Der Tod des Senators kommt für viele Beobachter überraschend, da er noch vor wenigen Tagen öffentlich aufgetreten war.

Graham begann seine politische Karriere im Repräsentantenhaus von South Carolina, bevor er 2002 in den US-Senat gewählt wurde. Dort machte er sich schnell einen Namen als Experte für Außen- und Sicherheitspolitik. Er war Mitglied in mehreren einflussreichen Ausschüssen, darunter der Justizausschuss und der Streitkräfteausschuss. Seine Stimme galt in Fragen der nationalen Sicherheit als besonders gewichtig.

Innenpolitisch vertrat Graham konservative Positionen, etwa bei der Steuerpolitik und bei der Ernennung von Bundesrichtern. Er war maßgeblich an der Bestätigung mehrerer konservativer Richter am Obersten Gerichtshof beteiligt. Gleichzeitig galt er als Pragmatiker, der gelegentlich über Parteigrenzen hinweg zusammenarbeitete, etwa bei der Einwanderungsreform.

Der Tod Grahams hinterlässt eine Lücke im US-Senat, wo die Republikaner derzeit über eine knappe Mehrheit verfügen. Die Nachfolge für seinen Sitz muss nach den Regeln des Bundesstaates South Carolina geregelt werden. Gouverneur Henry McMaster, ebenfalls ein Republikaner, wird voraussichtlich einen Interimsnachfolger ernennen, bis eine Sonderwahl stattfinden kann.

Internationale Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Mehrere US-Senatoren beider Parteien würdigten Graham als engagierten Diener des Staates und als leidenschaftlichen Verfechter amerikanischer Interessen. Der ukrainische Präsident Selenskyj bezeichnete ihn als einen wahren Freund der Ukraine. Auch aus anderen Hauptstädten kamen Kondolenzbekundungen.

Grahams Tod ist ein weiterer Schock für die amerikanische Politik, die in den vergangenen Jahren bereits mehrere prominente Abgänge zu beklagen hatte. Mit ihm verliert der US-Senat einen seiner profiliertesten Außenpolitiker, dessen Stimme in den Debatten um die Rolle Amerikas in der Welt künftig fehlen wird.