Der Befehlshaber der US-Landstreitkräfte in Europa und Afrika, General Christopher Donahue, scheidet nach nur 18 Monaten aus seinem Amt in Wiesbaden aus. Er werde das Kommando an seinen Stellvertreter Christopher R. Norrie abgeben, teilten die US-Streitkräfte mit. Die für Donnerstag geplante Zeremonie markiert das Ende einer Karriere, die den 56-jährigen Offizier zu einem der angesehensten Generäle des US-Heeres machte.

Donahues vorzeitiger Abgang ist nach übereinstimmenden Berichten mehrerer US-Medien direkt von Verteidigungsminister Pete Hegseth veranlasst worden. Der Personalwechsel wird im Pentagon als Teil eines umfassenden Umbaus der militärischen Führung dargestellt. Hegseth blockierte demnach zugleich Bemühungen, Donahue auf andere Spitzenposten zu versetzen, obwohl dieser etwa als Kandidat für die Führung des US-Heeres gehandelt worden war. Seit Hegseths Amtsantritt wurden bereits zahlreiche ranghohe Militärs entlassen oder zum Rückzug gedrängt, oft ohne detaillierte Begründung.

In seiner letzten öffentlichen Rede in Estland, wo am Dienstag ein neues taktisches Hauptquartier zum Schutz der Nato-Ostflanke eingeweiht wurde, stellte sich Donahue fast schützend vor die europäischen Partner. «Ich muss hier niemandem sagen, dass Europa mehr Verantwortung trägt als jemals zuvor in den letzten 35 Jahren», sagte er. «Für mich ist klar, dass Ihr bereit seid, mehr zu tun und euren Worten Taten folgen zu lassen, und die Vereinigten Staaten werden euch dabei zur Seite stehen.» Er fügte hinzu: «Die Nato ist heute stärker als je zuvor.» Diese Aussage steht in deutlichem Kontrast zur wiederholten Kritik von US-Präsident Donald Trump an den europäischen Bündnispartnern.

Donahue, der 2021 als letzter US-Soldat Afghanistan verließ, war durch ein grünstichiges Nachtsichtfoto weltweit bekannt geworden. Das Bild zeigt ihn in voller Kampfmontur, wie er auf dem Flughafen in Kabul in ein Transportflugzeug vom Typ C-17 steigt – die letzte US-Maschine, die kurz vor Mitternacht Ortszeit abhob. Damit endete der längste Krieg in der US-Geschichte, der am 7. Oktober 2001 mit Luftangriffen begonnen hatte, nach 7.268 Tagen. Laut US-Medien zog sich Donahue dadurch den Unmut von Hegseth zu, der den chaotischen Abzug seit langem kritisiert.

Bereits 2023 hatte Donahue öffentlich republikanischen Vorwürfen widersprochen, das US-Militär sei von einer «woken» Ideologie geprägt. Hegseth hat den Kampf gegen aus seiner Sicht zu linksliberale Strukturen und Diversitätsprogramme im Militär zu einem zentralen Anliegen gemacht. Ob diese Äußerung bei der Entscheidung über Donahues Abgang eine Rolle spielte, ist unklar.

Donahue, Absolvent der Militärakademie Westpoint (Jahrgang 1992), war nach Armeeangaben 17 Mal in Auslandseinsätzen in Afghanistan, im Irak, in Syrien, in Nordafrika und in Osteuropa. Im US-Verteidigungsministerium diente er als stellvertretender Direktor für Spezialkräfte-Operationen und Terrorismusbekämpfung. In Estland forderte er die europäischen Verbündeten auf, sich auf eine veränderte Kriegsführung einzustellen. «Der Charakter des Krieges hat sich gewandelt. Die Ukraine hat uns gezeigt, wie Tempo und die Fähigkeit zum Aufwuchs und wie Echtzeitdaten nun denjenigen einen Vorteil verschaffen, die wissen, wie man dies nutzt», sagte er. Es werde künftig nicht mehr reichen, auf hochmoderne Fähigkeiten zur See und in der Luft zu vertrauen; vielmehr komme es wieder auf die Schlagkraft von Landstreitkräften an. Die Nato müsse mit unaufhaltsamer Dynamik die Initiative ergreifen. «So wird Abschreckung geschaffen – nicht mit Worten vom Rednerpult, sondern mit Stiefeln im Schlamm», betonte Donahue.

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Reporterin

Theresa Jungmann berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.