Am Dienstag wählen die Vereinigten Staaten einen Großteil des Kongresses neu. Die Zwischenwahlen gelten nach der Präsidentschaftswahl als wichtigste Abstimmung des Landes. Mehrere Umfragen deuten darauf hin, dass die Republikaner von Präsident Donald Trump ihre Mehrheit in mindestens einer Kammer an die Demokraten verlieren könnten.

Bei den Zwischenwahlen werden alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus neu vergeben, dazu etwa ein Drittel der 100 Sitze im Senat. Zudem finden in zahlreichen Bundesstaaten Gouverneurswahlen sowie weitere Abstimmungen auf kommunaler Ebene statt. Aktuell halten die Republikaner in beiden Kammern die Mehrheit. Im Repräsentantenhaus liegt sie bei 219 zu 214 Sitzen, zwei Sitze sind nach Rücktritten nicht besetzt.

Traditionell gelten US-Zwischenwahlen als Abstimmung, bei der Wählerinnen und Wähler die Politik des amtierenden Präsidenten bewerten. Entsprechend deuten die Analysen auf Verluste für Trumps Partei hin. Das Umfrageportal RealClear Polling, das mehrere Erhebungen zusammenfasst, rechnet im Repräsentantenhaus mit 227 sicheren Sitzen für die Demokraten und 180 für die Republikaner. In 28 Wahlkreisen sei das Rennen noch offen. Andere Analysen sprechen von 40 bis 50 umkämpften Sitzen. Für eine Mehrheit sind mindestens 218 Sitze nötig, den Demokraten würden daher nach diesen Prognosen nur wenige Zugewinne genügen.

Im Senat zeichnet sich nach den Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab. RealClear Polling sieht die Demokraten bei 47 sicheren Sitzen, die Republikaner bei 45. Für acht weitere Sitze gibt es bislang keine klare Tendenz. Die Republikaner halten derzeit 53 der 100 Sitze. Um die Mehrheit zu wechseln, müssten die Demokraten ihre Sitze verteidigen und mindestens vier weitere hinzugewinnen. Bei einem Gleichstand könnte Vizepräsident JD Vance mit seiner Stimme den Republikanern die Mehrheit sichern.

Als besonders aussichtsreich für die Demokraten gilt North Carolina, wo der Republikaner Thom Tillis nicht mehr antritt. Umfragen sehen dort den Demokraten Roy Cooper vorn. In Texas, Kansas, Iowa, Michigan, Ohio, Maine, South Carolina und Alaska sieht das Portal dagegen keinen klaren Favoriten. In Nebraska und Minnesota wird ein sehr knappes Ergebnis erwartet. Nebraska wird traditionell von den Republikanern dominiert, Minnesota wählt eher demokratisch. Ein Blick in die Geschichte zeigt zudem, dass Texas seit mehr als 30 Jahren keinen demokratischen Senator mehr gestellt hat.

Umfragen sind allerdings mit Unsicherheiten behaftet. Vor der Präsidentschaftswahl 2016 galt ein Sieg Trumps als unwahrscheinlich, er setzte sich am Ende jedoch deutlich gegen Hillary Clinton durch. Auch bei den Zwischenwahlen 2022 lagen die Prognosen daneben: Damals sagten Umfragen einen klaren Sieg der Republikaner voraus. Tatsächlich bauten die Demokraten ihre Mehrheit im Senat leicht aus und verloren im Repräsentantenhaus nur knapp die Mehrheit. Entschieden ist die Wahl deshalb trotz der aktuellen Prognosen noch nicht.

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Niklas Gerhardt

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Politischer Korrespondent

Niklas Gerhardt berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.