Der rechtskonservative US-Kommentator Tucker Carlson hat einen Atomschlag gegen den Iran ins Gespräch gebracht. »Die einzige militärische Option ist ein Atomschlag«, schrieb er mit Blick auf die Zeit nach den Zwischenwahlen in den USA. Carlson galt einst als enger Mitstreiter von Donald Trump, die beiden haben sich jedoch überworfen. Dennoch ist er im Netzwerk der Entscheidungsträger weiterhin gut eingebunden.

Fachleute erwarten, dass die Zwischenwahlen am Dienstag einen Wendepunkt für die zweite Hälfte der zweiten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump markieren und Auswirkungen auf die außenpolitische Agenda haben. Trump hat bereits einen Dreiergipfel zur Ukraine mit Wladimir Putin und Xi Jinping ins Gespräch gebracht. Auch im Krieg mit dem Iran am Golf wird eine neue Eskalation erwartet. Seit Februar tobt dieser Krieg, unterbrochen von teils wochenlangen Feuerpausen. In der Nacht zu Dienstag bombardierte die US-Luftwaffe die iranische Insel Keschm in der Straße von Hormus.

Das Weiße Haus ließ Medienanfragen zu möglichen Angriffsplänen unbeantwortet. Das US-Oberkommando für die Region, Centcom, teilte der »Financial Times« knapp mit, es sei Aufgabe des Pentagons, dem Oberbefehlshaber Optionen auszuarbeiten, damit der Iran niemals über eine Atomwaffe verfügen könne. Damit definiert das Militär zugleich das Ziel der Auseinandersetzung: den Iran am Bau von Atomwaffen zu hindern. Trump selbst nannte in einem Interview mit dem Portal »Axios« drei Möglichkeiten: einen diplomatischen Deal, wirtschaftliche Strafmaßnahmen oder eine militärische Reaktion. Es gebe aber »keinen Grund zur Eile«.

Militärbeobachter spekulieren seit Tagen über gezielte Schläge gegen Radaranlagen, Raketenabschussbasen oder Marinebasen des Iran. Joseph Votel, ein früherer Centcom-Befehlshaber, sprach in der »Financial Times« von einer Art Rasenmähen, um mögliche iranische Gegenschläge auf Öltransporte in der Straße von Hormus zu unterbinden. Auf einer Konferenz in Manama ließ der Iran durchblicken, im Fall eines US-Angriffs den Krieg auch in die Golf-Anrainerstaaten zu tragen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters umfasst die Liste potenzieller Ziele Meerwasserentsalzungsanlagen und Trinkwassereinrichtungen. Votel bezeichnete das Eskalationsrisiko dennoch als relativ gering.

Die US-Strategen interessieren sich vor allem für die iranischen Nuklearanlagen. Satellitenaufnahmen zeigen seit Kriegsbeginn verdächtige Bewegungen am sogenannten Pickaxe Mountain, einem verzweigten Tunnelsystem im Zentrum des Iran. Jonathan Schanzer von der Foundation for Defense of Democracies sagte der »Financial Times«, das Regime habe sich als widerstandsfähig erwiesen und halte sich trotz des wirtschaftlichen und militärischen Drucks an der Macht. Für die Zerstörung solcher Anlagen werden zwei bunkerbrechende Waffen diskutiert: die rund 15 Tonnen schwere MOP, die laut Schätzungen bis zu 60 Meter tief in die Erde eindringen kann und deren Kosten bei rund vier Millionen Dollar pro Stück liegen, sowie die etwa 11 Tonnen schwere MOAB, deren Sprengkraft mit der kleiner taktischer Atomwaffen vergleichbar ist, allerdings ohne radioaktiven Niederschlag.

Carlson argumentierte auf der Plattform X, Ziel könnte der Pickaxe Mountain sein, wo Teheran laut israelischem Geheimdienst die Urananreicherung wieder aufgenommen habe. Keine konventionelle Waffe im amerikanischen Arsenal könne neunzig Meter massiven Granit durchdringen, um die mutmaßlichen Anreicherungstunnel zu zerstören. Ein solcher Nuklearschlag wäre der erste Atomwaffeneinsatz seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Militärisch wie politisch wären seine Folgen kaum kalkulierbar. Das Pentagon äußerte sich zu möglichen Szenarien bislang nur allgemein.

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Nora Dietrich

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Nachrichtenredakteurin

Nora Dietrich berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.