Mit donnernden Kampfjets, drohendem Unwetter und einem als größtes Feuerwerk aller Zeiten angekündigten Spektakel hat US-Präsident Donald Trump den Schlusspunkt unter die mehrtägigen Feierlichkeiten zum 250. Jubiläum der Vereinigten Staaten gesetzt. In seiner Rede am Unabhängigkeitstag in Washington beschwor Trump das Bild einer von Gott auserwählten Siegernation, die dazu bestimmt sei, die Welt anzuführen. Der Präsident nutzte die Bühne jedoch auch für Wahlkampfzwecke und rühmte sich seiner angeblichen politischen Errungenschaften.

Die zentralen Feiern in der US-Hauptstadt waren am Samstagabend zwischenzeitlich unterbrochen worden. Wegen eines Gewitters mit starken Windböen wurde die Nationalpromenade (National Mall) im Zentrum Washingtons evakuiert, wie Reporter berichteten. Tausende Besucher mussten das Festgelände verlassen. Zuvor hatte die US-Hauptstadt tagelang unter Temperaturen von fast 40 Grad Celsius geächzt. Die Parade zum Unabhängigkeitstag in Washington war wegen der extremen Hitze bereits abgesagt worden. Auch in anderen Orten fielen die traditionellen Paraden aus, darunter in Philadelphia, wo Vertreter der 13 Ostküsten-Kolonien am 4. Juli 1776 die Unabhängigkeitserklärung von Großbritannien unterzeichnet hatten.

In seiner Rede verzichtete Trump auf die bei ihm sonst üblichen Anfeindungen gegen kritisch berichtende Medien oder in Ungnade gefallene Staaten. Dafür teilte er gegen „Kommunisten“ aus, die er mit einem Krebsgeschwür verglich. „Amerika wird niemals ein kommunistisches Land sein. Das wird nicht passieren“, sagte Trump. Der Präsident bringt die US-Demokraten, die bei den Zwischenwahlen im November die Mehrheiten in beiden Parlamentskammern übernehmen könnten, immer wieder in Zusammenhang mit dem Kommunismus. Die oppositionellen Demokraten werfen Trump vor, die 250-Jahr-Feiern für ein parteipolitisches Spektakel vor den Zwischenwahlen zum Kongress zu nutzen.

Zwischen allerhand Ehrungen für Veteranen wechselte Trump auch immer wieder in den Wahlkampfmodus und warb etwa für seinen „Save America Act“. Das Gesetz sieht neue Regeln für Wahlen vor, findet aber seit Monaten keine Mehrheit im Kongress. Zudem rühmte er sich seiner angeblichen politischen Errungenschaften in der zweiten Amtszeit. Direkt im Anschluss an die Rede erleuchteten hunderte Raketen den Himmel über der US-Hauptstadt. Laut den Veranstaltern sollte es das größte Feuerwerk der Geschichte sein: 850.000 Pyroeffekte in 35 Minuten.

Das Spektakel bildete den Höhepunkt der mehrtägigen Feierlichkeiten, die eigentlich ganz anders hätten laufen sollen. Etliche Künstler hatten Konzerte mit der Begründung abgesagt, die Veranstaltungsreihe sei ihnen zu politisch aufgeladen. Trump kündigte daraufhin an, stattdessen „die Nummer-eins-Attraktion auf der ganzen Welt“ auf die Bühne zu bringen: sich selbst. Seit Wochen nutzt Trump das 250. Gründungsjubiläum und damit verbundene Veranstaltungen, um sich und seine Erfolge zu rühmen. Innenpolitisch steht er unter Druck, seine Beliebtheitswerte sind unter dem Eindruck des Iran-Kriegs deutlich gesunken.

Die tiefe Spaltung der US-Gesellschaft im Jubiläumsjahr machte auch ein Aufmarsch vermummter weißer Männer in der Nähe des Kapitols sichtbar. Sie trugen Baseballkappen mit Abzeichen der extremistischen Gruppe „Patriot Front“, die von der Überlegenheit Weißer überzeugt ist, und riefen „Reclaim America!“ (Erobert Amerika zurück). Einige von ihnen schwenkten Konföderiertenflaggen, die Flagge der sklavenhaltenden Südstaaten im US-Bürgerkrieg (1861 bis 1865), die heute als rassistisches Symbol gilt.

Der 4. Juli wird in den USA traditionell als Unabhängigkeitstag gefeiert. Abgesandte der 13 amerikanischen Kolonien nahmen am 4. Juli 1776 offiziell eine Erklärung an, mit der sie sich als Vereinigte Staaten von Amerika von Großbritannien loslösten. Dies war die Geburtsstunde der USA.

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Politischer Korrespondent

Niklas Gerhardt berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.