Die Berliner CDU hat einen neuen Spitzenkandidaten für die bevorstehende Abgeordnetenhauswahl gekürt. Der Landesvorstand wählte Finanzsenator Stefan Evers am späten Nachmittag einstimmig zum Spitzenkandidaten. Der 46-Jährige führt die Partei damit in den Wahlkampf, der am 20. September seinen Höhepunkt findet. Evers übernimmt zudem kommissarisch die Parteiführung.
Die Entscheidung fiel nur wenige Tage, nachdem der Regierende Bürgermeister Kai Wegner seinen Rückzug von der Spitzenkandidatur erklärt hatte. Wegner zog damit die Konsequenzen aus einer monatelangen Debatte um widersprüchliche und falsche Angaben zu seinem Krisenmanagement nach einem mehrtägigen Stromausfall im Januar. Die CDU-Kreisvorsitzenden hatten Evers bereits am Freitag für die Nachfolge vorgeschlagen.
Evers steht nun vor der Herausforderung, die CDU in einem verkürzten Wahlkampf zu führen. Bis zur Wahl sind es nur noch gut zwei Monate. Der Finanzsenator betonte nach seiner Wahl, es gehe nun darum, ein Linksbündnis unter Führung der Linken zu verhindern. Damit skizzierte er die zentrale Stoßrichtung des konservativen Lagers in den kommenden Wochen.
Die Berliner CDU hatte in den vergangenen Monaten mit inneren Spannungen zu kämpfen. Der Rückzug Wegners hatte die Partei in eine schwierige Lage gebracht, da die Zeit bis zur Wahl knapp ist. Mit Evers setzt die Partei nun auf einen erfahrenen Finanzpolitiker, der seit 2021 als Senator für Finanzen amtiert. Zuvor war er unter anderem als Staatssekretär und als Mitglied des Abgeordnetenhauses tätig.
Die politische Landschaft in Berlin ist fragmentiert. Neben der CDU streben auch SPD, Grüne, Linke und andere Parteien nach Einfluss. Die Linke hat in Umfragen zuletzt an Zustimmung gewonnen, was die Sorge vor einem rot-roten Bündnis in der Hauptstadt verstärkt. Evers will mit einer klaren wirtschafts- und sicherheitspolitischen Agenda dagegenhalten.
Die Wahl von Evers erfolgte ohne Gegenstimmen, was als Zeichen der Geschlossenheit in der Partei gewertet wird. Beobachter sehen darin den Versuch, nach den Turbulenzen um Wegner wieder Stabilität zu demonstrieren. Evers selbst kündigte an, den Wahlkampf mit einem schlanken Team und klaren Botschaften zu führen.
Die Berliner CDU hofft, mit Evers an der Spitze an die Erfolge der vergangenen Jahre anknüpfen zu können. Die Partei hatte bei der letzten Abgeordnetenhauswahl 2023 mit Kai Wegner als Spitzenkandidaten ein starkes Ergebnis erzielt und anschließend eine Koalition mit der SPD gebildet. Ob dieses Bündnis nach der Wahl fortgesetzt werden kann, ist offen.
Evers gilt als pragmatischer Politiker, der sich in der Finanzverwaltung einen Namen gemacht hat. In seiner Zeit als Finanzsenator setzte er sich für eine konsolidierte Haushaltspolitik ein, was ihm auch über die Parteigrenzen hinweg Respekt einbrachte. Nun muss er zeigen, dass er auch im Wahlkampf überzeugen kann.
Die kommenden Wochen werden für die Berliner CDU richtungsweisend sein. Mit Evers als Spitzenkandidat will die Partei verlorenes Vertrauen zurückgewinnen und die Wähler von einer bürgerlichen Politik überzeugen. Die Wahl am 20. September wird zeigen, ob dieser Kurs aufgeht.
