Die spanische Regierung hat einen Militäreinsatz in der nordafrikanischen Exklave Ceuta angekündigt, nachdem innerhalb weniger Tage tausende Migranten die Grenze aus Marokko überquert haben. Bis Freitag sollen drei Züge mit je 20 Soldaten, eine Tauchereinheit und ein Militärschiff in die Stadt verlegt werden, wie das Innenministerium mitteilte. Zugleich werden die Spezialeinheiten der Polizei auf 200 Beamte aufgestockt.
Nach Angaben des staatlichen Fernsehsenders TVE gelangten zwischen 2.000 und 3.000 Migranten – überwiegend Jugendliche – in die Enklave. Auf Videoaufnahmen war zu sehen, wie Hunderte Menschen mit Schwimmreifen das Meer überquerten oder Tore im Grenzzaun durchbrachen. Die staatliche Nachrichtenagentur EFE berichtete, dass viele über den Zaun kletterten. Bereits in der Vorwoche waren nach Behördenangaben mehr als 1.500 Menschen schwimmend nach Ceuta gelangt.
Hintergrund des sprunghaften Anstiegs ist ein Urteil des spanischen Obersten Gerichtshofs vom Anfang des Monats. Es untersagt den Behörden, Migranten, die auf dem Seeweg nach Ceuta oder in die andere spanische Enklave Melilla abgefangen werden, ohne weiteres Verfahren zurückzuschicken. Seit dem Urteil habe es einen stetigen Zustrom gegeben, erklärte ein Sprecher der Guardia Civil. Am Donnerstag sei die Lage eskaliert – es habe eine «Explosion» der Migrationsbewegungen gegeben.
In Ceuta selbst ist die Situation äußerst angespannt. Viele Geschäfte blieben geschlossen, Ladenbesitzer organisierten sich, um ihr Eigentum zu schützen, da sie die Polizeikräfte für unzureichend hielten. Der Regierungschef von Ceuta, Juan Jesús Vivas, forderte die Zentralregierung auf, wegen der Massenankünfte den Notstand auszurufen. Das Innenministerium lehnte dies jedoch ab. Nach den geltenden Zivilschutzvorschriften zählen Migrationsbewegungen nicht zu den Risiken, für die das nationale Zivilschutzsystem vorgesehen sei.
Spanien und Marokko vereinbarten, ihre Zusammenarbeit zur Bewältigung der Migrationsströme zu verstärken. Möglichst rasch sollten alle Menschen zurückgeführt werden, die illegal nach Ceuta eingereist seien, hieß es aus dem Ministerium. Der Migrationsaktivist Zakaria Zarroqui verglich die Ereignisse mit dem Mai 2021, als innerhalb weniger Tage rund 10.000 Jugendliche aus Marokko und Ländern südlich der Sahara die Enklave erreichten. Die Lage sei außer Kontrolle, erklärte er. Menschen strömten weiterhin in die marokkanische Stadt Fnideq, um von dort nach Ceuta überzusetzen.
Die humanitären Folgen sind bereits sichtbar: Die Guardia Civil entdeckte allein am Mittwoch innerhalb weniger Stunden die Leichen von zwei Menschen, die vermutlich in den vergangenen Tagen versucht hatten, schwimmend nach Ceuta zu gelangen. Vivas sagte, in den vergangenen zwölf Monaten seien rund 60 Leichen von mutmaßlichen Migranten geborgen worden. Ceuta bildet zusammen mit der nahegelegenen spanischen Exklave Melilla die einzige Landgrenze der Europäischen Union zum afrikanischen Kontinent. Immer wieder versuchen Migranten, auf diesem Weg in die EU einzureisen – die jüngste Krise zeigt die anhaltende Sprengkraft dieses Themas.
