Bei einem russischen Luftangriff auf das ukrainische Dorf Komyschuwacha in der Region Saporischschja sind nach ersten Angaben mindestens 18 Menschen ums Leben gekommen. Die Toten befanden sich bei der Ausgabe humanitärer Hilfe in einer Schule, wie Präsident Wolodymyr Selenskyj bei Telegram sowie auf der Plattform X mitteilte. Mindestens fünf Personen wurden verletzt, und in den Trümmern wurde weiter nach Opfern gesucht.
Selenskyj erhob den Vorwurf eines gezielten Bombardements. «Russland konnte nicht entgangen sein, dass die in Komyschuwacha verbliebenen Einwohner jede Woche eben dort humanitäre Hilfe erhalten», schrieb der Präsident. Nach der humanitären Aktion im Ort Oleschky in der Vorwoche habe es einen Moment gegeben, nach dem die nächsten Schritte einen möglichen Frieden hätten zeigen können. «Mit diesen Morden hat Russland ein absolut gegensätzliches Signal gegeben – Russland zählt auf weitere Morde», schrieb der Staatschef. Er forderte eine weltweite «starke und harte» Reaktion.
Nach Angaben des regionalen Militärverwalters Mychajlo Semikin, den er auf Telegram zitiert, galten zunächst 27 Personen als vermisst. Die Siedlung sei mehrfach bombardiert worden, insgesamt seien mehr als zehn Bomben abgeworfen worden. Eine davon schlug nach Selenskyjs Darstellung direkt in einem Luftschutzkeller ein. Die Zahl der Vermissten zeigt, wie unklar die Lage in den ersten Stunden nach dem Angriff war, auch wenn sich die Opferzahl in späteren Meldungen erhöhte.
Komyschuwacha liegt rund 25 Kilometer östlich der Großstadt Saporischschja und gut zwölf Kilometer von der Frontlinie entfernt. Die frontnahe Region ist seit Monaten immer wieder Ziel schwerer russischer Luftangriffe. Bei einem Angriff auf die Stadt Saporischschja Mitte Oktober wurden 23 Menschen getötet, darunter vier Minderjährige. Auch danach erhob Selenskyj Vorwürfe gegen Moskau, der Angriff gilt damit als Teil einer wiederkehrenden Serie in dem Gebiet.
Eine große Rolle spielen dabei Gleitbomben. Sie werden von russischen Kampfflugzeugen aus großer Höhe und sicherer Entfernung zur ukrainischen Flugabwehr abgeworfen und gleiten anschließend per Satellitennavigation ins Ziel. Auch Angriffe mit ballistischen Raketen und Drohnen treffen in der Region immer wieder Lagergebäude. Die Ukraine wehrt sich seit Februar 2022 gegen eine großangelegte russische Invasion, und humanitäre Verteilungen wie die in Komyschuwacha finden seit Monaten unter dieser Bedrohung statt.
Quelle: handelsblatt.com
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