New York — Irans Präsident Massud Peseschkian hat bei der Generaldebatte der Vereinten Nationen in New York scharfe Kritik an den USA geübt und Israel «Genozid» im Gazastreifen vorgeworfen. Während seiner Rede hielt er ein Bild des iranischen Staatsoberhaupts Ayatollah Ali Chamenei hoch. Der Auftritt markiert den ersten Besuch eines Staatschefs eines mit den USA im Krieg befindlichen Landes vor der UN-Vollversammlung.

Peseschkian wies den Vorwurf von US-Präsident Donald Trump zurück, der den Iran am Vortag als «Terroristen» bezeichnet hatte. «Gestern sagte der Präsident der Vereinigten Staaten, wir seien Terroristen. Wir sind Opfer des Terrorismus», sagte Peseschkian. Der US-Vertreter verließ den Saal während der Rede des iranischen Präsidenten demonstrativ.

Trump hatte dem Iran in seiner eigenen Rede zwei Optionen skizziert: ein Abkommen, das dem Land wirtschaftliche Stärke ermögliche, oder die Vernichtung der Islamischen Republik. Sollte Teheran den Krieg wählen, lande das Land in der «Hölle, ohne Überlebenschance und ohne Hoffnung auf zukünftige Größe oder nachfolgende Generationen», so Trump.

Peseschkian beklagte eine internationale Ordnung der «Gewalttätigen». «Wir dürfen keine Welt schaffen, in der militärische Macht an die Stelle der Legitimität tritt, Sanktionen an die Stelle der Diplomatie, Terror an die Stelle der Politik und Krieg an die Stelle des Dialogs», sagte er. An Trump gerichtet betonte er: «Die Drohung gegen unsere Nation macht uns geschlossener, stärker und vergrößert den Widerstand der Iraner.» Der Iran wolle Zusammenarbeit mit der Welt. «Entweder werden wir die Sicherheit miteinander schaffen, oder wir werden die Unsicherheit miteinander ertragen.» Sein Land werde die zivile Nutzung von Kernenergie nicht aufgeben.

Trotz der gegenseitigen Drohungen kamen am Rande der UN-Generaldebatte erstmals seit Monaten wieder Vertreter der Kriegsparteien USA und Iran zu Gesprächen zusammen. Der Austausch in New York habe «sehr gut» funktioniert und drei Stunden gedauert, sagte Trump vor Reportern. Iranische Staatsmedien bestätigten die Verhandlungen. An den Gesprächen nahmen laut Trump sein Unterhändler Steve Witkoff und sein Schwiegersohn Jared Kushner teil. Konkrete Ergebnisse wurden zunächst nicht mitgeteilt.

Witkoff sprach auf der Plattform X von einer Gesprächsrunde, die über Vermittler stattgefunden habe. Man hoffe, dass sich diese als konstruktiv erweisen werde; die Vermittler würden ihre Arbeit fortsetzen. Iranische Staatsmedien hoben hervor, das Gespräch habe auf Bitten Witkoffs stattgefunden. Den USA seien unter anderem von Außenminister Abbas Araghtschi die Bedingungen für eine Öffnung der Straße von Hormus kommuniziert worden. Dazu zählen die sofortige Aufhebung der US-Seeblockade vor der iranischen Küste, die Auszahlung aller eingefrorenen iranischen Vermögenswerte sowie die Beendigung des Kriegs an allen Fronten, wie der staatliche Sender Irib berichtete.

Die «New York Times» nannte unter Berufung auf zwei iranische Beamte Pakistan und Katar als Vermittler der neuen Gesprächsrunde. Beide Staaten hätten sich intensiv für eine Rückkehr zur Diplomatie eingesetzt. Trump stellte vor Reportern eine baldige Fortsetzung der Gespräche in Aussicht, nannte aber keine Details.

Deutschlands Außenminister Johann Wadephul traf sich mit seinem iranischen Kollegen Araghtschi und forderte Teheran zu einem Ende der Blockade der Straße von Hormus auf. «Es ist an Iran, sich konstruktiv an Verhandlungen zu beteiligen und den Würgegriff zu lösen», sagte der CDU-Politiker. Der Iran-Krieg galt zuletzt als festgefahren; Gesprächsrunden zwischen den USA und dem Iran gab es länger nicht mehr. Anfang Juli trafen sich Vertreter beider Länder in Doha getrennt voneinander mit Vermittlern aus Katar und Pakistan zu indirekten Gesprächen.

Bei der Generaldebatte rückte auch der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine wieder in den Fokus. Am Abend deutscher Zeit wurde eine Rede des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vor der Vollversammlung erwartet. Zudem trafen sich die Außenminister Russlands und der USA, Sergej Lawrow und Marco Rubio. Wadephul begrüßte die Gespräche: «Wenn Gespräche des amerikanischen Außenministers mit dem russischen Außenminister uns Verhandlungen näherbringen, dann wäre das eine gute Nachricht hier aus New York.» US-Außenminister Rubio teilte mit, die USA hätten den russischen Präsidenten Wladimir Putin zum G20-Gipfel im Dezember in Miami eingeladen.

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Theresa Jungmann

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Theresa Jungmann berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.