Italiens Außenminister Antonio Tajani hat nach eigenen Angaben Ziel eines Hackerangriffs geworden. Persönliche Daten des Politikers sollen im Darknet aufgetaucht sein, Cyberkriminelle hätten versucht, ihn über das Darknet auszuspähen. Tajani zufolge wurde auch seine Familie von den Tätern ins Visier genommen. Die Meldung wurde im Liveblog der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zum Ukrainekrieg verbreitet.

Tajani selbst sieht einen politischen Hintergrund. Er verknüpft den Angriff mit der Haltung Italiens im Ukrainekrieg, die Italien seit Beginn des Krieges vertritt und die Unterstützung für die Ukraine einschließt. Die Berichte im Liveblog stellen den Vorfall deshalb als gegen die italienische Unterstützung für Kiew gerichtet dar. In der Überschrift des Originalbeitrags wird der Angriff russischen Hackern zugeschrieben. Diese Zuschreibung ist jedoch nicht durch belegte Ermittlungsergebnisse gedeckt und sollte deshalb mit Vorsicht gelesen werden.

Die Ermittlungen sind allerdings noch nicht abgeschlossen. Wer genau hinter den Angriffen steckt, ist nach den vorliegenden Angaben nicht bestätigt. Ebenso offen ist, in welchem Umfang Daten abgeflossen sind und welche Informationen konkret im Darknet kursieren. Auch ob die Täter staatlich gesteuert waren, lässt sich aus den bisher bekannten Informationen nicht belegen. Eine verbindliche Zuordnung zu russischen Stellen steht deshalb aus.

Der Vorfall fällt in eine Phase, in der der Ukrainekrieg weiterhin mit unverminderter Härte geführt wird. Im selben Liveblog wird über russische Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur berichtet, die die Versorgung der Zivilbevölkerung treffen. Zugleich äußerte sich Verteidigungsminister Boris Pistorius zurückhaltend zu den Aussichten auf eine rasche Waffenruhe. Er sehe wenig Hoffnung auf einen baldigen Waffenstillstand, da die Positionen der Konfliktparteien weit auseinanderliegen.

Cyberangriffe auf Politiker westlicher Staaten gehören seit Kriegsbeginn zu den Mitteln, mit denen Konfliktparteien Druck ausüben und Informationen gewinnen wollen. Dass Kriminelle Politiker ausspähen und persönliche Daten zu Geld machen, ist dabei ein eigenes, weit verbreitetes Phänomen im Darknet. Ob im Fall Tajani ein politisches Motiv, rein kriminelle Absichten oder eine Mischung aus beidem vorliegt, bleibt offen.

Klar ist bislang nur, dass der italienische Außenminister einen Angriff auf sich und seine Familie öffentlich gemacht hat und die Vorwürfe nun im Raum stehen. Weitere Stellungnahmen der italienischen Regierung oder Angaben der Ermittlungsbehörden lagen zum Zeitpunkt der Berichterstattung nicht vor. Die weitere Entwicklung bleibt daher abzuwarten.

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Sebastian Mertens

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Wirtschaftsanalyst

Sebastian Mertens berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.