Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran haben sich am Sonntagabend weiter verschärft. Nach den jüngsten US-Luftangriffen auf iranische Militärziele entlang der Südküste meldeten iranische Medien erneute Explosionen in der Hafenstadt Bandar Abbas sowie nahe der Insel Gheschm im Persischen Golf. Die staatliche Nachrichtenagentur Irna sprach von «feindlichen Angriffen» auf Militäranlagen, bei denen in mehreren Stadtteilen aufeinanderfolgende Detonationen zu hören gewesen seien. Die Ursache der Explosionen werde derzeit untersucht, hieß es.

Die regierungsnahe Agentur Mehr berichtete zudem von einem Todesopfer auf der Insel Gheschm. Demnach kam der Leiter der Telekommunikationsbehörde der Provinz Hormusgan bei einem Reparatureinsatz ums Leben. Zwei weitere Mitarbeiter seien verletzt worden. Wann sich der Vorfall genau ereignete, blieb zunächst unklar. Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim bestätigte die Detonationen, ohne zunächst eine genaue Ursache zu nennen.

Die USA hatten zuvor nach eigenen Angaben rund 140 iranische Militärziele entlang der Südküste bombardiert. Es war bereits die dritte Angriffswelle innerhalb einer Woche. Der Iran reagierte nach eigenen Angaben mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Ziele in Jordanien, Kuwait, Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Angriffe markieren eine deutliche Eskalation in der bereits seit Wochen angespannten Lage am Persischen Golf.

Im Zentrum des Konflikts steht die strategisch bedeutende Straße von Hormus. Die iranischen Revolutionsgarden hatten erklärt, die Meerenge bleibe bis auf Weiteres und bis zum Ende der US-Militäreinsätze in der Region für den Schiffsverkehr geschlossen. Die Durchfahrt sei untersagt. Zuvor hatte die Marine der Revolutionsgarden nach eigenen Angaben Warnschüsse auf ein Schiff abgegeben, das eine nicht genehmigte Route befahren haben soll. Die Straße von Hormus gilt als eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt: Etwa ein Fünftel des globalen Öltransports wird durch diese Meerenge abgewickelt. Eine längerfristige Schließung könnte die weltweiten Energiepreise massiv beeinflussen und die Versorgungssicherheit vieler Länder gefährden.

US-Präsident Donald Trump widersprach den iranischen Angaben zur Straße von Hormus entschieden. «Sie ist offen», sagte Trump in der NBC-Sendung «Meet the Press». Auch das für die Region zuständige US-Regionalkommando Centcom erklärte auf der Plattform X, die strategisch wichtige Meerenge bleibe eine internationale Wasserstraße und werde nicht vom Iran kontrolliert. Die USA haben in der Region eine starke militärische Präsenz, darunter Flugzeugträger und Kampfflugzeuge, die jederzeit eingreifen könnten, um die freie Durchfahrt zu gewährleisten.

Diplomatische Bemühungen zur Deeskalation blieben bislang ohne Ergebnis. Vertreter der USA und des Irans hatten sich Mitte Juni zwar auf einen Rahmen für weitere Verhandlungen verständigt. Gespräche am Samstag in der omanischen Hauptstadt Maskat endeten jedoch ohne Durchbruch. Oman hatte zuletzt einen Vorschlag für eine gebührenfreie Passage durch die Straße von Hormus vorgelegt, der jedoch von beiden Seiten nicht angenommen wurde. Die internationale Gemeinschaft, darunter die Vereinten Nationen und die Europäische Union, hat beide Konfliktparteien zur Zurückhaltung aufgerufen, um eine weitere Eskalation zu verhindern.

Die jüngsten Angriffe und die gegensätzlichen Aussagen zur Straße von Hormus zeigen, wie tief die Kluft zwischen Washington und Teheran weiterhin ist. Beobachter befürchten, dass eine anhaltende Blockade der Meerenge nicht nur die Region, sondern die gesamte Weltwirtschaft destabilisieren könnte. Die USA haben deutlich gemacht, dass sie die freie Schifffahrt notfalls auch militärisch durchsetzen würden. Der Iran hingegen betrachtet die Straße von Hormus als Teil seines Hoheitsgebiets und beansprucht das Recht, die Durchfahrt zu kontrollieren. Die kommenden Tage werden zeigen, ob die diplomatischen Kanäle noch zu einer friedlichen Lösung führen oder ob die militärischen Auseinandersetzungen weiter eskalieren.