Irans Oberster Führer Modschtaba Chamenei hat die USA vor neuen Angriffen gewarnt und mit einer Antwort gedroht, die nicht auf eine bestimmte Region beschränkt wäre. Vor führenden Militärkommandeuren erklärte er laut einer am Samstag veröffentlichten Mitteilung: «Auf jede Art von Bedrohung muss eine sofortige, wirkungsvolle und geografisch uneingeschränkte Antwort folgen.» Sollte «der Feind» den Iran angreifen, werde Teheran selbst «den Zeitpunkt und die Bedingungen für ihr Ende festlegen».
Armeesprecher Mohammed Akraminia schrieb auf der Plattform X, sollte US-Präsident Donald Trump «erneut zu regionalen Abenteuern aufbrechen», würden die Flammen des Krieges «zweifellos ein weitaus größeres geografisches Gebiet erfassen». Die Drohungen fallen in eine Phase, in der seit Wochen über weitere US-Angriffe nach den Kongresswahlen am 3. November spekuliert wird.
Der Iran-Krieg hatte Ende Februar mit Angriffen der USA und Israels begonnen. Seitdem blockieren die iranischen Revolutionsgarden nach Angaben der Berichterstattung de facto die Straße von Hormus, durch die ein großer Teil des weltweiten Öltransports läuft. Die Energiepreise sind deutlich gestiegen. Modschtaba Chamenei ist der Nachfolger seines Vaters Ali Chamenei, der seit 1989 an der Spitze der Islamischen Republik stand und am 28. Februar, dem ersten Kriegstag, getötet wurde. Seitdem ist der neue Religionsführer nicht öffentlich aufgetreten; Audio- oder Videoaufnahmen von ihm gibt es bislang nicht.
Auch aus Europa kamen Worte in diesem Konflikt. Bundeskanzler Friedrich Merz rief in Seoul alle Konfliktparteien zu einer diplomatischen Lösung auf. «Dieser Konflikt lässt sich nicht militärisch lösen», sagte er. Durch die gestiegenen Energiepreise seien Unternehmen und Verbraucher in Europa in den vergangenen acht Monaten Kosten von mehr als 100 Milliarden Euro entstanden, weshalb Europa ein wirtschaftliches Interesse an einem schnellen Ende des Konflikts habe.
Irans Außenminister Abbas Araghtschi griff diese Zahl auf und reagierte auf der Plattform X mit einer Drohung gegen Merz und Europa. «100 Milliarden Euro sind nichts im Vergleich zu dem vernichtenden Schlag, den die mächtigen Streitkräfte des Iran gegen diejenigen austeilen werden, die es wagen, unserem Volk Schaden zuzufügen», schrieb er. Rote Linien gehörten der Vergangenheit an. Dabei verwies Araghtschi auf eine ältere Äußerung von Merz: Dieser hatte im Juni 2025 am Rande des G7-Gipfels in Kanada im ZDF die israelischen Angriffe auf den Iran als «Drecksarbeit» bezeichnet, die Israel «für uns alle» mache. Die Aussage stieß damals auf breite Kritik, Merz relativierte sie später.
Parallel laufen diplomatische Bemühungen, eine neue Eskalation zu verhindern. Am Freitag traf eine Delegation aus Katar, das zwischen den Kriegsparteien vermittelt, zu Gesprächen in Teheran ein. Zudem hat US-Vizepräsident JD Vance laut «Wall Street Journal» dem Chef des iranischen Obersten Nationalen Sicherheitsrats geschrieben. Teheran bestätigte den Erhalt des Briefes, hat bislang aber nicht geantwortet.
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