Die anhaltende Hitzewelle im Osten der Vereinigten Staaten hat weitreichende Folgen für die Feierlichkeiten zum 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung. Die für Samstag geplante traditionelle Unabhängigkeitsparade in Washington wurde wegen extremer Hitze abgesagt, wie die Veranstalter mitteilten. Auch die Veranstaltung „Great American State Fair“ auf der National Mall, der großen Rasenfläche zwischen Kapitol und Washington-Denkmal, musste vorübergehend geschlossen werden, nachdem mehrere Menschen aufgrund der hohen Temperaturen kollabiert waren.

Die Temperaturen in der US-Hauptstadt und weiten Teilen der Ostküste erreichten am Wochenende Werte von bis zu 43 Grad Celsius. Ursache ist ein gigantischer Hitzedom, der sich über weite Teile des Landes gelegt hat und für eine extreme Hitzewelle sorgt. Meteorologen warnen vor gesundheitlichen Risiken, insbesondere für ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen. Die Behörden riefen die Bevölkerung dazu auf, sich möglichst in kühlen Räumen aufzuhalten und ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen.

US-Präsident Donald Trump kündigte unterdessen an, sich von der Hitze nicht von seiner für den Abend geplanten Rede abhalten zu lassen. Diese werde bewusst lang ausfallen, um zu zeigen, dass er alles machen könne, so der Präsident. Die Rede ist Teil der Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag, der in den USA traditionell mit Paraden, Feuerwerken und öffentlichen Veranstaltungen begangen wird.

Der größte US-Stromnetzbetreiber PJM hat wegen der anhaltenden Hitzewelle eine Warnung herausgegeben und zur Drosselung des Stromverbrauchs aufgerufen. Das Unternehmen wies die regionalen Versorger am Freitag an, die Belieferung von Kunden zu reduzieren, die sich für Notfälle vertraglich zu Einsparungen verpflichtet haben. Grund für den Engpass sind Kraftwerksausfälle, schwer überlastete Übertragungsleitungen und der stark gestiegene Einsatz von Klimaanlagen. Der Netzbetreiber versorgt rund 67 Millionen Menschen an der Ostküste, in den Südstaaten und im Großraum Washington.

Die angespannte Lage treibt auch die Stromkosten in die Höhe. Im Norden des Bundesstaates Virginia, wo sich die weltweit größte Dichte an Rechenzentren befindet, schoss der Großhandelspreis für Strom in dieser Woche auf über 2.000 Dollar pro Megawattstunde nach oben. Außerhalb von Krisenzeiten liegt er bei etwa 40 Dollar. Analysten und PJM-Daten zufolge ist der Preisanstieg vor allem auf die hohen Kosten für die Stromübertragung durch die überlasteten Hochspannungsleitungen zurückzuführen.

Der ehemalige deutsche Außenminister Joschka Fischer (Grüne) äußerte sich unterdessen skeptisch zur Zukunft der NATO unter Präsident Trump. „Die Amerikaner sind faktisch auf dem Weg nach draußen“, sagte der 78-Jährige den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Er forderte für diesen Fall, dass die verbleibenden Verbündeten ihre Allianz ohne die USA fortführen und einen atomaren Schutzschirm mit den Kernwaffen Frankreichs und Großbritanniens aufbauen. Die NATO-Staaten kommen ab Dienstag zu ihrem Gipfeltreffen in Ankara zusammen. Im Vorfeld hatte Trump erneut gegen Deutschland und andere Verbündete ausgeteilt und deren Beiträge für die NATO kritisiert, obwohl diese ihre Verteidigungsausgaben zuletzt deutlich gesteigert hatten.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu gratulierte Trump in einem Telefonat zum 250. Unabhängigkeitstag der USA. In dem Gespräch habe Netanjahu die USA als Garant globaler Freiheit bezeichnet und die enge Bindung zwischen beiden Ländern hervorgehoben. Beide hätten sich darauf verständigt, sich „in naher Zukunft“ in den USA zu treffen. Zuletzt galt das Verhältnis zwischen Netanjahu und Trump als sehr angespannt – vor dem Hintergrund des Iran-Kriegs und unterschiedlicher Vorstellungen über das weitere Vorgehen in der Region.

Die neue Air Force One von US-Präsident Donald Trump sorgt derweil für Spott im Internet. Trumps Sprecherin Karoline Leavitt postete auf der Plattform X ein Foto aus dem Innenraum der Maschine, auf dem auch eine Bücherwand zu sehen ist. Die Bücher tragen jedoch lediglich Titel wie „Bibliothek“. Ein Nutzer kommentierte: „Um ehrlich zu sein, wären echte Bücher für Trump genauso nutzlos wie für euren Hund.“ Trump hatte die Maschine vom Typ Boeing 747-8 erstmals am Mittwoch genutzt. Der Einsatz des Jets steht in der Kritik, unter anderem wegen der hohen Umbaukosten von 400 Millionen Dollar. Die alte Air-Force-One-Flotte wird nach 35 Jahren ausgemustert. Der jetzt in Dienst genommene Jet soll nur übergangsweise genutzt werden, ehe bereits bestellte Maschinen von Boeing ausgeliefert werden. Trump will den Jet nach seiner Amtszeit weiter privat nutzen.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gratulierte Trump ebenfalls zum 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung – mit kritischen Untertönen. „Die Ideale des 4. Juli – Freiheit, Recht und Selbstbestimmung – haben Weltgeschichte geschrieben“, schrieb Steinmeier an Trump. Sie hätten auch das Verhältnis Deutschlands und der USA in besonderer Weise geprägt. Die Gratulation erfolgte vor dem Hintergrund zunehmender Spannungen zwischen beiden Ländern in Handels- und Sicherheitsfragen.

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Politischer Korrespondent

Niklas Gerhardt berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.