Die Außenminister der G20-Runde haben bei ihrem Treffen im US-Bundesstaat Georgia ein deutliches Zeichen an Moskau gesetzt: Ein sonst übliches Gruppenfoto der Teilnehmer kam nicht zustande. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hatte kurz vor Beginn erklärt, es werde in jedem Fall kein Familienfoto geben, auf dem die europäischen Partner gemeinsam mit Russlands Außenminister Sergej Lawrow zu sehen seien.

Lawrow nahm an den Beratungen in Atlanta teil. Der Umgang mit ihm und der seit mehr als viereinhalb Jahren andauernde Angriffskrieg Moskaus gegen die Ukraine gehörten zu den zentralen Themen des Treffens und der politischen Gespräche am Rande. Wadephul sagte, es gebe keine Normalität mit Russland. Die Kontroversen müssten am G20-Tisch diskutiert werden, deshalb sei das Gespräch wichtig. Man dürfe jedoch auch keine falschen optischen Signale aussenden.

Die Europäer hätten sich in der Frage des Familienfotos eng abgestimmt, hieß es am Rande des Treffens. Gespräche dazu soll es auch mit Australien gegeben haben. Noch am Vortag hatte Wadephul gesagt, er werde einem möglichen Familienfoto mit Lawrow nicht grundsätzlich fernbleiben, sofern es ein solches denn geben würde. Moskau hatte erst am Mittwoch bestätigt, dass Lawrow nach Atlanta komme. Bei der Sitzordnung saß Lawrow zwischen den Vertretern Saudi-Arabiens und Mexikos. US-Außenminister Marco Rubio platzierte direkt neben sich Polens Außenminister Radoslaw Sikorski, den er als einzigen Gast zu den Beratungen geladen hatte. Sikorski gilt als scharfer Kritiker Russlands; Polen befürchtet, eines der nächsten Ziele Moskaus zu werden.

US-Außenminister Rubio warb zu Beginn des Treffens für engere Zusammenarbeit. Wirtschaftliche und geopolitische Krisen bedrohten den globalen Handel, die Versorgung mit Energie und Lebensmitteln sowie die freie Schifffahrt. Die G20 müssten gemeinsam daran arbeiten, diesen Bedrohungen entgegenzutreten. Die US-Regierung hat den Partnern im Iran-Krieg wiederholt mangelnde Unterstützung vorgeworfen.

Beide Konflikte belasten die Weltwirtschaft erheblich. Russland spielt als Unterstützer des Iran eine wichtige Rolle im Zusammenhang mit den globalen Folgen des Iran-Kriegs, den die USA gemeinsam mit Israel im Februar begonnen hatten. Der eingeschränkte Schiffsverkehr in der Straße von Hormus treibt die Preise für Öl und Gas drastisch in die Höhe. Der Krieg in der Ukraine beeinträchtigt den Handel mit Dünger und Getreide über das Schwarze Meer schwer.

Wadephul forderte erneut mit Nachdruck eine diplomatische Lösung im Konflikt mit dem Iran und ein Ende der massiven Blockade der Straße von Hormus. Der Konflikt lasse sich militärisch nicht lösen. Mit Blick auf Medienberichte, wonach die USA gemeinsam mit Israel nach den Zwischenwahlen in der kommenden Woche einen neuen massiven Angriff auf den Iran starten könnten, warnte er: Ein neuer Waffengang werde das Problem in keinem Fall lösen. Man müsse weiter an einer Verhandlungslösung arbeiten und jede weitere Eskalation vermeiden, denn die wirtschaftlichen Auswirkungen seien schon schwer genug, auch für Europa. Wadephul rief den Iran auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Er sehe Möglichkeiten, dass dies nach den Midterms geschehen könne.

Das Treffen in Atlanta gilt als Generalprobe für den G20-Gipfel der Staats- und Regierungschefs am 14. und 15. Dezember in Miami. Dort sollen auch mögliche Entscheidungen vorbereitet werden. Erwartet werden neben Präsident Donald Trump unter anderem Kanzler Friedrich Merz (CDU), Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Chinas Staatschef Xi Jinping. Trump hat auch Wladimir Putin eingeladen; bisher ist unklar, ob dieser annimmt. Russland ist in der G20-Runde zwar noch offiziell Mitglied, Putin nahm jedoch zuletzt 2019 physisch an einem Gipfel teil. Der Gruppe gehören 19 Staaten sowie die Europäische Union und die Afrikanische Union an.

Für Aufregung im Vorfeld sorgte die Ausladung Südafrikas durch Trump. Der US-Präsident wirft dem regulären G20-Mitglied vor, einen Genozid an weißen Bauern zu begehen. Fachleute und die südafrikanische Regierung widersprechen dieser Darstellung entschieden. Kanzler Merz hatte sich mehrfach für eine Teilnahme Südafrikas ausgesprochen.

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Nora Dietrich

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Nachrichtenredakteurin

Nora Dietrich berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.