Als erster Papst in der Geschichte der katholischen Kirche hat Leo XIV. bei Wahlen in den Vereinigten Staaten seine Stimme abgegeben. Der 71-Jährige nahm an den Zwischenwahlen teil, die am Dienstag stattfinden, und stimmte vorab per Briefwahl ab, wie der Vatikan bestätigte. Wen der gebürtige US-Amerikaner gewählt hat, ist nicht bekannt.
Leo XIV., mit bürgerlichem Namen Robert Francis Prevost, wurde in Chicago im US-Bundesstaat Illinois geboren. Nach US-Medienberichten hatte er bereits Anfang Oktober einen Antrag auf Briefwahl gestellt. Durch seine Zeit als Bischof in Peru besitzt er auch die peruanische Staatsbürgerschaft. Als Staatsoberhaupt des Vatikans lebt er im kleinsten Staat der Welt mitten in Rom, der weniger als tausend Einwohner hat und nicht einmal einen halben Quadratkilometer groß ist.
Ein Sprecher des Vatikans erklärte, der Papst habe sein Wahlrecht als US-Staatsbürger immer dann ausgeübt, wenn er dazu berechtigt gewesen sei, schon während seiner vielen Jahre als Missionar und Bischof in Peru und auch jetzt. In einer offiziellen Mitteilung hieß es weiter: «Der Heilige Vater bekräftigt seine Überzeugung, dass Bürger das Recht und die Pflicht haben, an demokratischen Prozessen teilzunehmen.» Nach den geltenden Bestimmungen dürfen US-Bürger auch aus dem Ausland per Briefwahl an Wahlen in ihrer Heimat teilnehmen.
Kurz nach seiner Wahl zum Kirchenoberhaupt im vergangenen Jahr hatte der Papst der «New York Times» erzählt, dass er als Kurienkardinal im Vatikan auch bei der Wahl 2024 abgestimmt habe. Demnach beteiligte sich Prevost auch an den Vorwahlen der Republikaner in den Jahren 2012 und 2016. In den Jahren 2008 und 2010 ließ er sich bei den Demokraten registrieren. Bei fast allen Wahlen der vergangenen 15 Jahre nahm er teil, ist aber keiner Partei als Mitglied verbunden.
Das Verhältnis zwischen dem Vatikan und der US-Regierung gilt als angespannt. Leo XIV. hat die Politik von US-Präsident Donald Trump mehrfach kritisiert, unter anderem zu Pressefreiheit, Migration und dem Iran-Krieg. Nach Beginn des Kriegs am Golf warnte er vor einer «Spirale der Gewalt». Trump griff den Papst daraufhin mehrfach scharf persönlich an. Eine direkte Begegnung der beiden hat es bislang nicht gegeben, wohl aber mit Vizepräsident JD Vance, einem bekennenden Katholiken.
Katholiken stimmten in den USA lange Zeit überwiegend für die Demokraten. Zuletzt stieg jedoch der Anteil wertkonservativer Wähler in der katholischen Kirche, die für die Republikaner votierten. Vor den Kongresswahlen am 3. November liegen die Republikaner in Umfragen zurück. Sie könnten ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus und womöglich auch im Senat verlieren. Meinungsforscher rechnen mit einem deutlichen Sieg der oppositionellen Demokraten.
Leo XIV. war am 8. Mai 2025 zum 267. Papst gewählt worden und ist damit der erste US-Amerikaner an der Spitze der katholischen Kirche. Mitte Oktober wurde ihm der untere Lappen des rechten Lungenflügels entfernt, in dem sich ein Tumor befand. Dieser erwies sich als Lungenadenokarzinom, nach Angaben von Experten die häufigste Form von Lungenkrebs. Nach einer Woche nahm der Papst seine Amtsgeschäfte wieder auf.
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