Volkswagen setzt die Entwicklung des künftigen vollelektrischen Golf vorerst aus. Der Schritt ist eine weitere Sparmaßnahme in einer angespannten finanziellen Lage des Konzerns. Die Marke Volkswagen teilte mit, dass die Entwicklungsleistungen für das Modell vorübergehend ausgesetzt werden, und zwar so lange, bis die nötigen Investitionen sicher abgebildet werden können.

Marken-Finanzvorstand David Powels begründete den Schritt mit dem anspruchsvollen Marktumfeld und dem belasteten Ergebnis. Es sei wichtig, den eingeschlagenen Kurs konsequent fortzusetzen und die Prioritäten weiter zu schärfen, sagte er. Das günstige Elektromodell, das unter dem Namen ID.Golf geführt wird, gilt für den kriselnden Hersteller als Hoffnungsträger. Genau diese Arbeiten könne man sich derzeit, so ist aus dem Umfeld des Unternehmens zu hören, schlicht nicht leisten.

Hintergrund ist ein deutlicher Rückschlag im laufenden Geschäftsjahr. Der Konzern meldete für die Monate Juli bis September ein Konzernergebnis nach Steuern von rund minus 5,82 Milliarden Euro. Als Ursachen nannte das Unternehmen eine milliardenschwere Abschreibung auf die Tochter Porsche, das schwache Geschäft in China sowie Kosten für den Umbau. Es ist der erste Quartalsverlust seit 2020. Markenchef Thomas Schäfer hat den Spardruck deshalb erhöht, und zwar vor allem mit Blick auf das Werk Wolfsburg.

Der Betriebsrat in Wolfsburg versuchte, die Lage zu relativieren. Die Pause bedeute nicht, dass das Projekt gestrichen werde oder sich der Start verzögere. Zeitverzug lasse sich aufholen, hieß es in einem Intranet-Beitrag, der der Deutschen Presse-Agentur vorlag. Zugleich räumte das Gremium ein, dass der vorläufige Ausgabenstopp ein weiteres Anzeichen für die angespannte finanzielle Lage des Konzerns sei. Auf die andauernde Krise reagiert Volkswagen damit erneut mit einer Sparmaßnahme am Stammwerk.

Die Entscheidung zeigt, wie stark der Konzern unter Druck steht. Ein Modell, das für den Massenmarkt und für viele Kunden den Einstieg in die Elektromobilität bedeuten sollte, wird damit zurückgestellt. Wie lange die Pause dauern wird und ob sich der Zeitplan tatsächlich nur um wenige Monate verschiebt, ließ das Unternehmen offen. Klar ist bislang nur, dass die Investitionen zunächst gesichert sein müssen, bevor die Entwicklung weiterläuft.

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Nora Dietrich

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Nachrichtenredakteurin

Nora Dietrich berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.