Frankreich steuert auf einen neuen Rekord bei der Staatsverschuldung zu. Wie das Finanzministerium mitteilte, wird die Schuldenquote in diesem Jahr voraussichtlich 119,3 Prozent der Wirtschaftsleistung erreichen. Für 2027 wird ein Anstieg auf 121,7 Prozent erwartet. Damit läge die Verschuldung so hoch wie seit 1978 nicht mehr, wie das Statistikamt Insee bestätigt. Im Jahr 2025 hatte die Quote noch 115,7 Prozent betragen, 2019 lag sie unter 100 Prozent.
Frankreich ist damit das am drittstärksten verschuldete Land der Eurozone, nur Griechenland und Italien weisen höhere Schuldenstände auf. Zum Vergleich: Spanien konnte seine Verschuldung im Juli unter 100 Prozent des BIP drücken, Portugal senkte sie 2025 auf unter 90 Prozent. Die EU-Referenzgrenze von 60 Prozent des BIP wird von Frankreich mittlerweile um mehr als das Doppelte überschritten. Auch das öffentliche Defizit liegt deutlich über den EU-Vorgaben: Im vergangenen Jahr betrug es 5,1 Prozent des BIP, in diesem Jahr rechnet die Regierung mit 5,4 Prozent. Erlaubt sind nach den EU-Regeln maximal drei Prozent.
Um die ausufernde Neuverschuldung einzudämmen, plant Premierminister Sébastien Lecornu für den Haushalt 2027 Einsparungen in Höhe von 54 Milliarden Euro. Ziel ist es, das Defizit auf fünf Prozent des BIP zu senken. Finanz- und Wirtschaftsminister Roland Lescure hatte dieses Ziel allerdings erst vor wenigen Tagen als unrealistisch bezeichnet. Die Durchsetzung des Sparkurses im tief gespaltenen Parlament gilt als schwierig, zumal die Wähler wegen der hohen Lebenshaltungskosten Druck ausüben. Bereits im August 2025 hatte der damalige Premierminister François Bayrou ein Sparpaket als «Moment der Wahrheit» angekündigt, das 2026 umgesetzt werden sollte. Nun gibt es einen neuen Premier mit einer neuen Ankündigung.
Die angespannte Finanzlage und die im kommenden Jahr anstehenden Wahlen verunsichern zunehmend die Investoren. Die wachsenden Sorgen über die französischen Staatsfinanzen treiben die Risikoaufschläge an den Kapitalmärkten in die Höhe. Die Kosten für die Absicherung fünfjähriger französischer Schuldtitel gegen einen Zahlungsausfall stiegen auf 41,5 Basispunkte, den höchsten Stand seit April des vergangenen Jahres. Gleichzeitig kletterte der Renditeaufschlag, den Anleger für zehnjährige französische Staatsanleihen im Vergleich zu deutschen Papieren verlangen, erstmals seit der Euro-Schuldenkrise 2012 auf über 100 Basispunkte. Die Rendite der zehnjährigen französischen Anleihen legte um mehr als 14 Basispunkte auf ein 18-Jahres-Hoch von 4,583 Prozent zu.
Frankreich wird damit zunehmend zum europäischen Spiegelbild der USA. Unter Präsident Donald Trump sind die amerikanischen Schulden auf einen Rekordwert von 40 Billionen Dollar gestiegen, was ebenfalls für erhebliche Turbulenzen an den Finanzmärkten sorgte. Die Renditen für Staatsanleihen stiegen, ein Ausdruck von fehlendem Vertrauen in die zukünftige Wirtschafts- und Finanzkraft des Landes. Bereits im vergangenen Jahr erreichten die Kosten für die Schuldentilgung in Frankreich den gleichen Stand wie in Italien, das lange als großer Schuldenmacher galt. Doch während die italienische Regierung unter Giorgia Meloni einen strikten Sparkurs fährt, gibt Frankreich weiter Geld aus. Es wird sich zeigen, wie lange internationale Investoren noch Geduld haben.

