In Griechenland kämpfen Hunderte Einsatzkräfte weiter gegen einen Großbrand nahe Athen. Das Feuer wütet rund 50 Kilometer westlich der Hauptstadt im dicht bewaldeten Gebirgsmassiv Kithairon und hat bereits große Flächen zerstört. Nach Angaben der Meteorologen haben die stürmischen Winde, die bis Samstag tobten, etwas nachgelassen. «Das macht uns Hoffnung», sagte ein Sprecher der griechischen Feuerwehr gegenüber griechischen Medien.
Dichte Rauchschwaden liegen über der Region, Löschflugzeuge lassen Wasser über Flammen und Glutnestern ab. «Die Situation ist chaotisch», sagte der Bürgermeister von Megara, der wichtigsten Stadt der Gegend, im griechischen Rundfunk. Im gesamten Raum Athen ist der Großeinsatz zu hören; Hubschrauber und Löschflugzeuge sind ununterbrochen in Richtung der Krisenregion unterwegs. Hunderte Einsatzkräfte kämpfen gegen die Flammen, darunter auch Feuerwehrleute aus Rumänien und Frankreich, die zur Unterstützung nach Griechenland entsandt worden sind.
Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis sprach von einer außergewöhnlichen Lage. «Es gibt Situationen, in denen Art und Intensität der Wetterereignisse jede menschliche Planung und jede operative Leistungsfähigkeit überfordern», schrieb er auf Facebook. Die Behörden forderten etliche Ortschaften per Warn-SMS zur Evakuierung auf. Tierschutzvereine versuchten nach Angaben des Nachrichtenportals «Ethnos», Haus-, Nutz- und Wildtiere aus den Brandgebieten zu retten. Meteorologen schätzen, dass im Westen Athens bislang rund 10.000 Hektar Wald und landwirtschaftlich genutztes Land verbrannt sind. Landesweit wurden 13 Menschen wegen fahrlässiger Brandstiftung festgenommen, wie die Feuerwehr mitteilte.
In anderen Ländern Südeuropas gab es Entwarnung. Die Türkei kann nach Angaben von Forstminister Ibrahim Yumakli aufatmen: Alle Waldbrände seien vollständig unter Kontrolle. Seit Mittwoch habe das Land mehr als 300 Feuer bekämpft. Der Minister mahnte jedoch zur Wachsamkeit, da es vor allem im Süden und Westen weiterhin windig sei und Brände wieder aufflammen könnten.
Auch in Frankreich entspannt sich die Lage. Der größte Brand im Südwesten des Landes ist nach Angaben der Präfektur seit Samstag unter Kontrolle, die Situation gilt als stabil. Einsatzkräfte sind allerdings noch mit aktiven Brandherden in den Ferienorten Lège-Cap-Ferret und Le Porge beschäftigt. Im südfranzösischen Département Var hat sich ein Feuer in der Nacht nicht weiter ausgebreitet; dort kämpfen rund 1.500 Feuerwehrleute gegen zahlreiche Brandherde. Ein kleinerer Brand wurde aus Bayons im Südosten des Landes gemeldet.
In Spanien sind derzeit nach Angaben des Portals «Incendios Forestales en España», das Daten aus allen autonomen Regionen auswertet, 43 Waldbrände aktiv, unter anderem in Kastilien und León, Katalonien, Valencia und Kastilien-La Mancha. Die verheerenden Brände in den Regionen Madrid, Ávila und Toledo gelten inzwischen weitgehend als eingedämmt. Die meisten Evakuierungsbefehle und Ausgangsbeschränkungen wurden aufgehoben.
Seit dem Wochenende unterstützt auch eine Spezialeinheit aus Nordrhein-Westfalen die Einsatzkräfte in Spanien. Mehr als 50 Feuerwehrleute aus Bonn, Düsseldorf, Leverkusen, Königswinter und Ratingen waren nach knapp 2.000 Kilometern Anreise mit einem Konvoi von 21 Fahrzeugen in der nordwestlichen Region Kastilien-León angekommen. Dort spüren sie Glutnester auf und löschen sie, wie Sprecher Frank Frenser von der Feuerwehr Bonn erklärte. Gleich nach der Ankunft habe ein Team spanische Einheiten bei einem Brand in einem Naturschutzgebiet unterstützt.
Die Brände in Südeuropa zeigen, wie schnell extreme Wetterlagen die Kräfte einzelner Länder überfordern können. Die internationale Hilfe ist inzwischen fest eingeplant; neben den deutschen und französischen Kräften sind auch Einheiten aus Rumänien im Einsatz. Für die betroffenen Regionen bleibt die Brandgefahr trotz der jüngsten Entspannung hoch, solange der Wind nicht vollständig abflaut.
