Die Europäische Union und Kanada wollen sich unabhängiger von China und den Vereinigten Staaten machen. Zum Abschluss eines zweitägigen Gipfeltreffens in Montreal vereinbarten beide Seiten eine sogenannte «Allianz für die Zukunft», mit der sie Wohlstand und wirtschaftliche Sicherheit stärken und ihre Lieferketten widerstandsfähiger machen wollen.

Der kanadische Premierminister Mark Carney sprach bei einer Pressekonferenz am Freitag von einem «schützenden Dach», unter dem alle Bürgerinnen und Bürger gedeihen könnten. Beide Seiten einigten sich unter anderem auf eine engere Zusammenarbeit bei strategisch wichtigen Rohstoffen und bei Künstlicher Intelligenz. Hintergrund ist, dass Kanada und die EU unter Chinas wirtschaftlicher Stärke sowie der Zoll- und Außenpolitik der US-Regierung unter Präsident Donald Trump leiden. Trump hatte eine Annäherung Kanadas an die EU im September als «lächerlich» bezeichnet und mit einem Abbruch der Handelsbeziehungen gedroht, falls die EU US-Interessen schade.

Konkret unterzeichneten die Partner ein Abkommen über digitalen Handel sowie einen Pakt, der es der Europäischen Investitionsbank ermöglicht, kanadische Projekte im Bereich strategisch wichtiger Rohstoffe zu unterstützen. Kanada ist reich an sogenannten Seltenen Erden, die Europa derzeit größtenteils aus China bezieht. Die kanadische Bergbauindustrie benötigt dafür allerdings massive Investitionen. Europa öffnete zudem seine Infrastruktur an Hochleistungsrechnern für kanadische Forschende, Industrieunternehmen und Start-ups. Vereinbart wurde außerdem, die Zusammenarbeit bei Satellitenvernetzung und Satellitennavigation sowie im KI-Bereich zu vertiefen. In diesem Feld haben beide Seiten gegenüber den USA und China viel aufzuholen.

Auch bei bestehenden EU-Programmen soll Kanada stärker eingebunden werden. Die Arbeiten für eine Beteiligung am Studierenden-Austauschprogramm Erasmus sowie am Satellitenprogramm Galileo, einer Alternative zum amerikanischen Global Positioning System (GPS), wurden aufgenommen. Die EU und Kanada haben zudem bereits das Freihandelsabkommen Ceta geschlossen, das seit Jahren vorläufig in Kraft ist und die Einfuhrzölle für rund 98 Prozent der Handelswaren beseitigt.

Bei der Ukraine-Unterstützung will sich Ottawa ebenfalls beteiligen. Brüssel hat Kiew für 2026 und 2027 einen Kredit über 90 Milliarden Euro gewährt, der über einen Kredit abgesichert wird, den die EU über ihren Haushalt aufnimmt. Die Zinsen von drei bis vier Milliarden Euro pro Jahr sollen aus dem EU-Budget bezahlt werden. Kanada werde sich zunächst mit rund 500 Millionen Euro an den Kosten beteiligen, sagte Carney. Im Gegenzug könnte Ottawa in den Kreis der Länder aufgenommen werden, die bei der Vergabe ukrainischer Rüstungsaufträge bevorzugt zum Zug kommen. Die Ankündigung fällt in eine Phase, in der Brüssel nach weiterer Unterstützung für Kiew sucht.

Uneinigkeit besteht allerdings bei der Frage, wie eng die Bindung Kanadas an die Union werden soll. Eine Vollmitgliedschaft sei nicht möglich, betonte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nach dem Gipfel. Sie und Carney bekräftigten aber die Absicht, Kanada zum «assoziierten Mitglied» des Staatenbunds zu machen. Einige EU-Mitgliedstaaten stören sich an diesem Begriff und haben Protest angemeldet. Von der Leyen sprach davon, dass es um «gute Arbeitsplätze» und «widerstandsfähige Lieferketten» gehe.

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Nora Dietrich

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Nachrichtenredakteurin

Nora Dietrich berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.