Im Süden der Ukraine haben Einwohner der Stadt Oleschky eine örtlich begrenzte Waffenruhe genutzt und die russisch besetzte Stadt verlassen. Der ukrainische Unterhändler David Arachamia teilte am Freitag über den Onlinedienst Telegram mit, dass die ukrainische Delegation fluchtbereite Bewohner auf dem Weg ins russische Anapa begleitet habe. Moskau erklärte, der Einsatz sei »ohne Zwischenfälle« abgeschlossen worden. Zur Zahl der Geflüchteten machten beide Seiten keine Angaben.
Nach Arachamias Worten sollten die Geflüchteten vom Flughafen der südrussischen Stadt Anapa nach Belarus ausgeflogen werden. Von dort sollten sie per Bus »nach Hause« gebracht werden. Die russische Menschenrechtsbeauftragte Jana Lantratowa bestätigte den Ablauf auf Telegram. Ihren Angaben zufolge waren 25 Busse und neun Krankenwagen an der Aktion beteiligt. Einige Menschen würden in die Ukraine gebracht, andere nach Russland. Für die verbliebenen Bewohner werde Hilfe organisiert. In Oleschky wurden zudem Hilfsgüter verteilt.
Das Weiße Haus hatte in der vergangenen Woche eine Waffenruhe für Oleschky verkündet, die von US-First-Lady Melania Trump vermittelt worden war. Sie trat am Dienstag in Kraft und schien vorerst zu halten. Die bis Sonntagabend vorgesehene Feuerpause soll angesichts gravierender Engpässe bei Lebensmitteln, Wasser und Medikamenten die Versorgung der Bevölkerung, Hilfslieferungen und die Evakuierung von Zivilisten ermöglichen. Sie ist nach Angaben aus dem Umfeld des Konflikts die längste Waffenruhe seit Kriegsbeginn im Februar 2022.
Oleschky liegt am Ufer des Dnipro in der Region Cherson und wurde bereits 2022 von Russland erobert. Die Stadt wird nach Berichten von beiden Armeen in die Zange genommen. Von ursprünglich 24.000 Einwohnern sollen sich noch etwa 2000 in der Stadt aufhalten. Ehemalige Bewohner schilderten der Nachrichtenagentur AFP die Notlage: Einige Menschen hätten begonnen, Tauben zu jagen und zu essen. Videos zeigten Gruppen von Menschen, die auf Busse warteten, sowie Bewohner, die sich bei dem ukrainischen Menschenrechtsbeauftragten Dmytro Lubinez bedankten und weinten. Eine Einwohnerin sagte, sie sei »erschöpft«. Eine andere erklärte: »Wir haben so viele Prüfungen erdulden müssen.«
Trotz der Feuerpause in Oleschky gingen die Angriffe an anderen Orten unvermindert weiter. In der zentralukrainischen Region Dnipropetrowsk waren nach russischen Angriffen in der Nacht laut Behördenangaben mehr als 200.000 Menschen ohne Strom. Bei einem Angriff in Tschernihiw kamen ukrainischen Angaben zufolge zwei Jugendliche ums Leben. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, die Luftabwehr habe in der Nacht mehr als 1000 ukrainische Drohnen abgeschossen. Dem Kreml zufolge wurden außerdem drei Ölraffinerien und ein Gas-Chemiewerk angegriffen. Der Gouverneur der Region Samara, Wjatscheslaw Fedorischtschew, meldete den Tod zweier Menschen bei einem ukrainischen Drohnenangriff.
Parallel dazu traf Russlands Außenminister Sergej Lawrow zu einem Treffen der G20-Außenminister in den USA ein. Wie das Ministerium in Moskau mitgeteilt hatte, will Lawrow dort auf eine Aufhebung der Sanktionen gegen Russland drängen. Seine Teilnahme am Treffen am Freitag und Samstag in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia fällt in eine Phase neuer Gespräche zwischen Vertretern aus Moskau, Kiew und Washington. Dabei soll auf ein Ende des Ukraine-Kriegs hingearbeitet werden.
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