Die Ermittlungen zum versuchten Sprengstoffanschlag auf den Flughafen Leipzig/Halle führen nach einem Medienbericht direkt zum russischen Militärgeheimdienst GRU. Wie die «Welt am Sonntag» unter Berufung auf geheime Ermittlungsunterlagen berichtet, soll ein mutmaßlicher GRU-Mitarbeiter die Logistik der Operation organisiert haben. Die Erkenntnisse gelten demnach als Grundlage für die Entscheidung der Bundesregierung, Russland für den versuchten Drohnenanschlag verantwortlich zu machen.
Nach Informationen aus Sicherheitskreisen handelt es sich bei den beiden Verdächtigen um den Russen Oleg L. und den Belarussen Andrei K. Die Vorbereitung und Logistik soll L. organisiert haben. Er werde von den Sicherheitsbehörden dem GRU zugerechnet. L. reiste den Ermittlungen zufolge über die Türkei nach Deutschland ein und später über den Flughafen Berlin-Brandenburg in Richtung Serbien aus. Den Ermittlern war bereits bei der Einreise bekannt, dass der Russe dem Umfeld des GRU zugeordnet wird. Dennoch wurde er nach seiner Einreise nicht observiert. Inzwischen soll er sich wieder in Russland aufhalten.
Das Bundesinnenministerium und die Sicherheitsbehörden wollten sich auf Anfrage nicht zu dem Bericht äußern und verwiesen auf die laufenden Ermittlungen. Anfang August war am Flughafen Leipzig eine mit Sprengstoff beladene Drohne entdeckt worden, in deren Nähe sich ukrainische Frachtflugzeuge befanden. Der Flughafen ist ein wichtiger Umschlagplatz für militärische Hilfslieferungen an die Ukraine. Die Spur zu den Verdächtigen führte unter anderem über DNA-Spuren an einer Antennenkonstruktion, die zur Steuerung der Drohnen diente.
Die «Welt am Sonntag» berichtet weiter, dass der in Leipzig eingesetzte Sprengstoff nach Erkenntnissen der Behörden womöglich über Bulgarien und Serbien nach Deutschland gelangt ist. Die Ermittler gehen davon aus, dass er in Hohlräumen von Lastwagen transportiert und anschließend in Erddepots versteckt wurde. Die Bundesregierung hatte Moskau Anfang September für den versuchten Sprengstoffanschlag am Leipziger Flughafen verantwortlich gemacht und neue Strafmaßnahmen gegen Russland angekündigt. Moskau weist die Vorwürfe zurück.
Bereits im August hatte die «Bild»-Zeitung berichtet, dass im Fall der Drohnenattacke von Leipzig eine konkrete DNA-Spur vorliege. Diese sei identisch mit einer Spur, die bereits im Zusammenhang mit dem Brandanschlag auf das DHL-Logistikzentrum in Leipzig vom 20. Juli 2024 registriert worden war. Der russische Militärgeheimdienst GRU wird von westlichen Sicherheitsbehörden immer wieder für Sabotageakte, Cyberangriffe und sogar Morde verantwortlich gemacht. Die sogenannte Hauptverwaltung für Aufklärung («Glawnoje Raswedywatelnoje Uprawlenije», abgekürzt GRU) gilt als wichtiges Machtinstrument des russischen Staatschefs Wladimir Putin.
Die neuen Erkenntnisse dürften die Spannungen zwischen Deutschland und Russland weiter verschärfen. Die Bundesregierung hatte bereits Konsequenzen aus dem Vorfall gezogen und das Russische Haus in Berlin geschlossen. Der Kreml äußerte sich bislang nicht zu den jüngsten Enthüllungen. Die Ermittlungen zu dem Anschlagsversuch dauern an.

