Texas galt über Jahrzehnte als sichere Bank für die Republikaner. Bei den US-Zwischenwahlen haben die Demokraten diese Hochburg nun erschüttert: Sie sicherten sich erstmals seit Jahrzehnten einen Senatssitz im südlichen Bundesstaat und setzten sich auch bei der Wahl zum Gouverneur durch. Als Ursache gilt vor allem die wachsende Unzufriedenheit mit US-Präsident Donald Trump, die für die Republikaner zu einer großen Last wurde.
Der demokratische Senatskandidat James Talarico gewann gegen den republikanischen Kandidaten Ken Paxton. Der 37-Jährige, der früher als Lehrer arbeitete und 2018 erstmals ins Repräsentantenhaus des Bundesstaats gewählt wurde, feierte den ersten Senatssieg eines Demokraten in Texas seit 1988. Bei seiner Rede am späten Abend (Ortszeit) sagte er unter großem Jubel: «Wir haben gerade Texas zurückerobert.» Die «Politik der Spaltung» sei der «Politik der Liebe» nicht gewachsen. Mit Blick auf Trump und den Tech-Milliardär Elon Musk erklärte er, die Demokraten hätten gegen «den reichsten Mann der Welt, den mächtigsten Mann der Welt und das gesamte Establishment von Washington D.C.» gewonnen.
Talarico verwies dabei auf die biblische Geschichte von David gegen Goliath. Die Allianz von Trump und Musk sei sein übermächtiger Goliath gewesen, sagte er. Trump hatte Paxton in der parteiinternen Vorwahl ausdrücklich unterstützt und den Wahlkampf im Bundesstaat mehrfach besucht. Bei einer Veranstaltung in San Antonio Anfang Oktober forderte er seine Anhänger auf: «Stimmt für Ken. Bringt ihn da rein.» Musk unterstützte Paxton mit gut 150 Millionen US-Dollar, umgerechnet rund 134 Millionen Euro. Talarico erhielt dagegen Unterstützung aus der Familie der früheren US-Präsidenten George W. Bush und George H. W. Bush, einer der Dynastien der Republikaner in Texas.
Auch bei der Gouverneurswahl gelang den Demokraten ein historischer Erfolg. Die 52-jährige Gina Hinojosa setzte sich gegen den republikanischen Amtsinhaber Greg Abbott durch und wird damit die erste Latina an der Spitze des südlichen Bundesstaats. Menschen mit Wurzeln in Lateinamerika machen knapp 41 Prozent der Bevölkerung in Texas aus. «Wir haben heute die Welt erschüttert», sagte Hinojosa. «Wir haben gezeigt, dass alles möglich ist.» Zudem nahmen die Demokraten den Republikanern weitere wichtige Ämter in der Landespolitik ab. Die Zeitung «Houston Chronicle» titelte: «Die blaue Welle erfasst Texas».
Hinojosa setzte sich trotz prall gefüllter Wahlkampfkassen und prominenter Unterstützer Abbotts durch, zu denen unter anderem ein Ölmogul und Musk zählten. Musk hat mehrere Firmensitze und den Weltraumbahnhof Starbase in Texas und plant dort eine Halbleiterfabrik. Der rasante Ausbau von Rechenzentren sorgte zunehmend für Widerstand, den Hinojosa für sich nutzte. Sie warf Abbott vor, Politik für Milliardäre zu machen und das Leben in Texas in seinen Amtszeiten stark verteuert zu haben. Sie erklärte, er habe mit einer offenen Tür für Rechenzentren die Interessen der reichen Tech-Industrie vor die seiner Mitbürger gestellt.
Trump ließ Abbott kurz nach Bekanntwerden des Ergebnisses fallen. Auf seiner Plattform Truth Social schrieb der US-Präsident, Abbott hätte die Wahl nicht verloren, wenn er in den vergangenen Monaten nicht zum «RINO» («Republican in Name Only») geworden wäre, also zu einem Politiker, der offiziell den Republikanern angehört, nach Trumps Ansicht aber deren Grundsätze nicht vertritt. Trump hatte die Präsidentschaftswahl 2024 in Texas mit 56 Prozent gewonnen. Seit 1995 hatten stets Republikaner das Amt des texanischen Gouverneurs inne.
Die Zeitung «The Dallas Morning News» kommentierte, die lange Ära der Einparteienherrschaft in Texas sei vorbei. Der Bundesstaat, «der mächtigste und verlässlichste aller tiefrot-republikanischen Bundesstaaten», sei heute demokratisch-blau. Gleichwohl bleibe Unsicherheit darüber, wie die Demokraten nun regieren würden. Texas bleibe trotz der Ergebnisse im Grunde konservativ.
Quelle: handelsblatt.com
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