Mit prominenten Gästen aus Politik und Kultur haben am Samstagabend die 150. Bayreuther Festspiele auf dem Grünen Hügel begonnen. Bundeskanzler Friedrich Merz, Altkanzlerin Angela Merkel und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder gehörten zu den rund 2.000 Besuchern der Jubiläumsveranstaltung. Anders als in den vergangenen Jahren stand zur Eröffnung keine Oper Richard Wagners auf dem Programm, sondern Ludwig van Beethovens Neunte Sinfonie unter der musikalischen Leitung von Christian Thielemann.
Die Wahl des Werks ist kein Zufall: Beethovens Neunte erklang bereits bei der Grundsteinlegung des Bayreuther Festspielhauses im Jahr 1872. Richard Wagner, der das Haus eigens für seine Werke errichten ließ, schätzte die Sinfonie sehr. Mit der Aufführung knüpften die Festspiele an diese historische Verbindung an und feierten zugleich das 150-jährige Bestehen des Festivals, das 1876 mit der Uraufführung des vollständigen „Ring des Nibelungen“ Musikgeschichte schrieb.
Bundeskanzler Merz nutzte seine Eröffnungsrede, um sich kritisch mit der Person Richard Wagners auseinanderzusetzen. Der Komponist war bekanntermaßen Antisemit. „Richard Wagners Person und Werk stehen beispielhaft für Größe und Abgründigkeit der deutschen Verhältnisse in Kunst und Geschichte“, sagte Merz laut Redetext. „Sie stehen für die sehr deutsche Kombination von höchst Bewunderungswürdigem und höchst Fragwürdigem in unserer Vergangenheit.“ Wagners Werk sei „vom Antisemitismus seines Schöpfers nicht zu trennen“. Dennoch bedeute dies nicht, sich dieser Kunst nicht auszusetzen. „Canceln ist jedenfalls auch hier keine Lösung“, betonte der Kanzler.
Ähnlich äußerte sich Bayerns Kunstminister Markus Blume (CSU). In einer Stellungnahme wies er auf die ambivalente Geschichte der Festspiele hin: „150 Jahre Bayreuther Festspiele erzählen von den größten Sternstunden der Oper und sie erzählen von den dunkelsten Kapiteln deutscher Geschichte – beides gehört untrennbar zu Bayreuth.“ Richard Wagner sei ein musikalisches Genie, zugleich aber ein erbitterter Antisemit gewesen. „Sein antisemitisches Denken ging in Teilen weit über die Vorurteile seiner Zeit hinaus. Bei aller Bewunderung für sein Werk dürfen wir davor niemals die Augen verschließen“, erklärte Blume.
In diesem Jahr steht der „Ring des Nibelungen“ im Mittelpunkt des Spielplans. Unter der musikalischen Leitung von Christian Thielemann geht die Inszenierung neue Wege: Mithilfe Künstlicher Intelligenz, die auf 150 Jahren Rezeptionsgeschichte des Werks basiert, sollen für jede Aufführung „neue visuelle Assoziationen und Bildwelten“ entstehen, wie die Festspiele mitteilten. Dies sei ein spannender Versuch, die zeitlose Musik Wagners mit modernster Technologie zu verbinden.
Die Bayreuther Festspiele gehören zu den renommiertesten Opernfestivals der Welt und ziehen jedes Jahr zahlreiche Prominente aus Politik, Wirtschaft und Kultur an. Altkanzlerin Angela Merkel, die als langjähriger Wagner-Fan gilt, war auch in diesem Jahr wieder unter den Gästen. Die Festspiele erinnern in dieser Saison an ihre Gründung im Jahr 1876, als Richard Wagner im eigens errichteten Festspielhaus den vollständigen „Ring des Nibelungen“ erstmals aufführen ließ. Das Werk war damals ein Wagnis – sowohl künstlerisch als auch finanziell – und wurde zu einem Meilenstein der Opernwelt. Mit dem Jubiläum wird diese Tradition gewürdigt, während gleichzeitig die Auseinandersetzung mit den dunklen Seiten von Wagners Erbe fortgesetzt wird.
