Die amerikanische Fußball-Nationalmannschaft kann im WM-Achtelfinale gegen Belgien mit Stürmerstar Folarin Balogun auflaufen. Nachdem der Fußball-Weltverband überraschend die Rotsperre des Angreifers auf Bewährung ausgesetzt hatte, erklärte die FIFA nun eine Beschwerde des belgischen Verbands dagegen für unzulässig. Trotz scharfer Kritik ist der 25-Jährige damit für die Partie am Dienstag in Seattle spielberechtigt.
Der Antrag der Belgier wurde mit der Begründung für unzulässig erklärt, dass der belgische Verband „nicht Verfahrenspartei sei und somit keine Beschwerdebefugnis gegen die Entscheidung besitze“, hieß es in der Entscheidung der FIFA. Grund dafür ist offenbar, dass die Rote Karte aus einer Begegnung stammt, an der Belgien nicht beteiligt war. Der belgische Verband hatte von der FIFA schriftlich eine Erklärung gefordert, was der Weltverband als formalen Einspruch wertete und diesen als unzulässig abwies.
Im Fall Balogun war spekuliert worden, dass US-Präsident Donald Trump bei FIFA-Chef Gianni Infantino angerufen hatte, um sich für eine Aussetzung der Sperre für das WM-Achtelfinale starkzumachen. Trump selbst sagte später: „Ich habe um eine Überprüfung gebeten, weil ich nicht dachte, dass es ein Foul war. Ich habe lediglich eine Überprüfung gefordert, weil ich es nicht für ein Foul hielt, und ich kenne mich mit solchen Dingen aus.“ Zuvor hatten nach Informationen der „New York Times“ und der Nachrichtenagentur AP mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen den ungewöhnlichen Ablauf bestätigt.
Diese politische Intervention hat international viel Kritik hervorgerufen. Der US-Politikwissenschaftler und frühere Fußballspieler Jules Boykoff bezeichnete den Vorgang als „Lehrstück darüber, wie eng Sport und Politik miteinander verwoben sind“. Er warf Trump vor, den Fußball gezielt für seine politische Inszenierung zu nutzen, und kritisierte FIFA-Chef Infantino scharf für dessen Unterwürfigkeit. Boykoff betonte, dass diese Art von Einflussnahme den Sport beschädige und die USA erneut blamiere.
Infantino bestätigte inzwischen ein Gespräch mit Trump. Er habe dabei erklärt, dass ein laufendes Verfahren von den unabhängigen FIFA-Justizorganen entschieden werde. „So funktioniert das System der FIFA, und dieses Prinzip werde ich immer verteidigen. Ob uns eine Entscheidung persönlich gefällt oder nicht, ist irrelevant“, sagte Infantino. Der 56-Jährige ergänzte, er spreche regelmäßig auch mit anderen Staats- und Regierungschefs sowie Vertretern aus Fußball und Wirtschaft.
Die Rote Karte gegen Balogun im Sechzehntelfinale gegen Bosnien und Herzegowina war kontrovers bewertet worden. Sein Tritt gegen Tarik Muharemovic in einem Zweikampf war zwar hart, aber wohl unabsichtlich. Während der Partie in Santa Clara wurde die Rote Karte erst nach Überprüfung durch den Video Assistant Referee (VAR) ausgesprochen. Balogun hatte beim 2:0-Erfolg zuvor das Führungstor erzielt. Insgesamt erzielte der Stürmer bislang drei Tore im Turnier und ist neben Christian Pulisic der wichtigste Offensivspieler im Team von Trainer Mauricio Pochettino.
Sollte Balogun gegen die Belgier auflaufen, könnte es weitere Debatten über mögliche juristische Folgen geben. Die Entscheidung der FIFA, die Sperre auszusetzen und den belgischen Einspruch abzuweisen, hat bereits für viel Wirbel gesorgt. Kritiker sehen darin eine unzulässige Einmischung der Politik in den Sport, während Befürworter argumentieren, dass die Rote Karte zu Unrecht gezeigt wurde. Die Partie gegen Belgien wird am Dienstag um 2.00 Uhr MESZ in Seattle angepfiffen und live bei ARD und MagentaTV übertragen.
