Der demokratische Senatskandidat Graham Plattner aus dem US-Bundesstaat Maine hat seinen Wahlkampf nach einem Vorwurf sexueller Nötigung vorläufig eingestellt. In einem am Mittwochabend in den sozialen Medien veröffentlichten Video erklärte der 45-Jährige, die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen seien vollständig falsch. Mit Tränen in den Augen sagte er: «Diese Dinge sind nicht passiert. Sie sind alle falsch.» Gleichzeitig kritisierte er die Führung der Demokratischen Partei scharf, weil sie sich nicht hinter ihn gestellt habe, und machte Medien für eine angebliche Kampagne gegen ihn verantwortlich.
Plattner, ein Austernzüchter und ehemaliger Marineinfanterist, hatte mit einem populistischen Programm für Aufsehen gesorgt. Seine Bürgerversammlungen waren stets gut besucht, und er sammelte bereits zu Beginn des Wahlkampfs Millionenbeträge an Spenden. Sein politischer Schwung war so stark, dass seine innerparteiliche Konkurrentin, Gouverneurin Janet Mills, ihre Kandidatur für die Vorwahlen aufgab. Allerdings sorgten auch mehrere Kontroversen um seine Person für Diskussionen: Dazu gehören eine Brusttätowierung mit einem Nazi-Symbol, sexuell anzügliche Textnachrichten sowie aggressive Beiträge in den sozialen Medien.
Führende Demokraten, darunter der Mehrheitsführer im Senat, Chuck Schumer, hatten Plattner aufgefordert, seine Kandidatur zurückzuziehen. Das Democratic Senatorial Campaign Committee (DSCC), die wichtigste Organisation der Demokratischen Partei für die Finanzierung von Wahlkämpfen, erklärte zudem, dass es keine finanziellen Mittel für den Senatswahlkampf in Maine bereitstellen werde, solange Plattner seine Kandidatur nicht zurückziehe. Dies bedeutete einen schweren Schlag für seine Kampagne, da die Partei damit faktisch den Geldhahn zudrehte.
Der Fall Plattner ist eingebettet in ein breiteres politisches und rechtliches Geschehen in den USA. Parallel zu dieser Entwicklung hatte Präsident Donald Trump am Mittwoch eine Neuanhörung vor dem Obersten Gerichtshof in der Frage der US-Staatsbürgerschaft gefordert. Der Supreme Court hatte Ende Juni ein von Trump erlassenes Dekret für verfassungswidrig erklärt, wonach in den USA geborene Kinder nicht mehr automatisch die Staatsbürgerschaft erhalten sollten. Trump bezeichnete das Urteil als «falsch» und «wahnwitzig» und kündigte an, eine Wiederaufnahme des Verfahrens zu beantragen.
In einem weiteren Rechtsstreit ordnete ein Bundesrichter in New York an, dass die hinterlegten mehr als fünf Millionen US-Dollar aus einem Urteil gegen Trump an die Autorin E. Jean Carroll ausgezahlt werden müssen. Eine Jury war 2023 zu dem Schluss gekommen, dass Trump Carroll in den 1990er-Jahren sexuell missbraucht und später mit öffentlichen Äußerungen verleumdet hatte. Trump weist die Vorwürfe weiterhin zurück. Seine Anwälte hatten versucht, die Auszahlung aufzuschieben, bis der Oberste Gerichtshof über einen Antrag auf erneute Prüfung des Falls entscheidet. Der Supreme Court hatte Trumps Berufungsantrag jedoch bereits in der vergangenen Woche abgelehnt.
Die Entwicklungen um Plattner und Trump zeigen, wie stark rechtliche und politische Auseinandersetzungen die US-amerikanische Öffentlichkeit derzeit beschäftigen. Während Plattner mit den Folgen der Vorwürfe und dem Druck aus den eigenen Reihen kämpft, sieht sich Trump mit mehreren juristischen Niederlagen konfrontiert. Beide Fälle könnten weitreichende Auswirkungen auf die politische Landschaft des Landes haben, insbesondere im Hinblick auf die anstehenden Wahlen.
