Spanien hat Argentinien im Finale der Fußball-Weltmeisterschaft entthront und sich mit einem 1:0-Sieg nach Verlängerung den Titel gesichert. Vor 80.663 Zuschauern im MetLife Stadium in East Rutherford bei New York erzielte Joker Ferran Torres in der 106. Minute das entscheidende Tor. Für Lionel Messi, den Superstar Argentiniens, platzte der Traum von der zweiten WM-Krone nach 2022, und er weinte bitterlich auf dem Rasen.
Das Spiel war lange eine zähe Angelegenheit, geprägt von taktischer Disziplin und wenigen Torchancen. Spanien dominierte jedoch über die gesamte Spieldauer und belohnte sich schließlich in der Verlängerung. „Ich bin stolz, stolz auf diese Mannschaft und auf diese Generation, die sich mit dieser Spielidee durchgesetzt hat“, sagte Spaniens Trainer Luis de la Fuente nach dem Sieg über den entthronten Titelverteidiger. Der 65-Jährige wurde damit zum ältesten Trainer, der je eine WM gewann.
Argentiniens Trainer Lionel Scaloni zeigte sich nach der Niederlage gefasst. „Ich empfinde jetzt Traurigkeit, aber vor allem verspüre ich unendliche Dankbarkeit gegenüber diesen Jungs, denn so weit zu kommen, erfordert eine enorme Anstrengung. Wir zeigen Größe im Sieg und müssen sie auch in der Niederlage zeigen“, sagte er. Die Albiceleste hatte sich den Titel mit ihrem destruktiven Auftritt im Endspiel nicht wirklich verdient, während Spanien durch Kombinationsspiel und Ballkontrolle überzeugte.
Die Pokalübergabe durch US-Präsident Donald Trump und FIFA-Boss Gianni Infantino wurde von lauten Buhrufen begleitet. Die Fans kritisierten, dass die große Bühne den Sportlern gehören sollte. Trump und Infantino saßen auf der Tribüne neben zahlreichen Prominenten wie Tom Cruise, Rihanna, David Beckham und Jay-Z. Nach der Übergabe wartete Spaniens Kapitän Rodri einen Moment, ehe er den Pokal in den Himmel reckte, nachdem sich Trump aus der Mitte des Teams entfernt hatte.
Das Spiel begann verhalten, mit ersten Szenen von Lamine Yamal und Messi. Yamals Abschluss landete in den Armen von Argentinien-Keeper Emiliano Martínez (5.), während Messi frei vor Unai Simón auftauchte, aber der spanische Schlussmann klärte. In der ersten Halbzeit gab es wenig Spektakel, viele Pässe beim Europameister und ungewohnte Ungenauigkeiten auf dem kritisierten Finalrasen. Die Argentinier lauerten auf Konter, konnten die Angebote aber nicht nutzen.
Nach der stimmungsvollen Halbzeit-Show mit Madonna, Shakira und Justin Bieber erhöhte Spanien den Druck. Álex Baena versuchte sich direkt, sein Schuss war aber zu ungenau (46.). Nach und nach entwickelten die Iberer mehr Zug zum Tor, und de la Fuente brachte unter anderem Pedri und Torres vom FC Barcelona. In der Nachspielzeit der regulären Spielzeit sah Argentiniens Mittelfeldmann Enzo Fernández wegen eines Foulspiels die Gelb-Rote Karte, nachdem er zuvor wegen Reklamierens verwarnt worden war.
In der Verlängerung nutzte Spanien die Überzahl. Torres, der die gesamte WM nur als Joker fungierte, erzielte in der 106. Minute das entscheidende Tor. „Ich denke, dass wir durch dieses Tor endlich erlöst wurden“, sagte Torres. „Gegen Messi bist du immer nervös, aber wir haben immer an uns geglaubt.“ Messi, der achtmalige Weltfußballer, war im Endspiel kaum zu sehen, und Argentiniens Offensive blieb über die ersten 110 Minuten vollkommen wirkungslos.
Für Messi war es die wohl letzte Chance, sich nach 2022 ein zweites Mal zu krönen. Der 39-Jährige wirkte zunächst beherrscht, begann mit der Silbermedaille um den Hals dann doch noch zu schluchzen. Argentinien hätte als drittes Team nach Italien (1934, 1938) und Brasilien (1958, 1962) den WM-Titel erfolgreich verteidigen können, wurde aber entthront. Spanien holte den wichtigsten Pokal im Weltfußball zum zweiten Mal nach 2010 in Südafrika.
Die beiden Trainer de la Fuente und Scaloni sind befreundet. De la Fuente war einst Scalonis Lehrer, als der in einem Sonderprogramm des spanischen Verbands seinen Trainerschein machte. Nach dem Abpfiff dröhnte aus den Boxen der Party-Klassiker „Eviva España“, und die spanischen Weltmeister begannen ihre rauschende Titelparty.
