Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 findet vom 11. Juni bis 19. Juli in den Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko statt. Für Fans in Deutschland bedeutet das: Viele Spiele werden aufgrund der Zeitverschiebung erst in den späten Abend- oder Nachtstunden angepfiffen. Das hat direkte Auswirkungen auf das Public Viewing unter freiem Himmel, das in Deutschland durch die Lärmschutzverordnung zwischen 22 und 6 Uhr grundsätzlich eingeschränkt ist. Die Bundesregierung und der Bundesrat haben jedoch eine Lockerung dieser Regeln ermöglicht, sodass Städte und Gemeinden Public-Viewing-Veranstaltungen auch während der Nachtzeit erlauben können. Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) betonte: „Unser Ziel ist ein fairer Ausgleich zwischen Fußballfest und Lärmschutz.“

Die konkreten Regelungen unterscheiden sich jedoch von Ort zu Ort. Fans sollten sich daher frühzeitig auf den Internetseiten ihrer Städte oder Gemeinden informieren. Auch die meisten Kneipen, Biergärten und Restaurants werden ihre Gäste darüber informieren, ob und welche Spiele sie in ihren Außenbereichen oder Innenräumen zeigen. In Berlin beispielsweise dürfen alle Spiele mit deutscher Beteiligung sowie das Finale jederzeit im Freien übertragen werden. Für andere Partien gelten je nach Wochentag, Anstoßzeit und Bedeutung des Spiels unterschiedliche Regeln. In Köln hingegen ist Public Viewing in der Außengastronomie nur für Spiele erlaubt, die zwischen 6 und 22 Uhr angepfiffen werden – das schließt viele Partien der K.o.-Runde aus. In München dürfen WM-Duelle im Außenbereich von Gaststätten bis 1 Uhr und wieder ab 6 Uhr gezeigt werden.

Die deutsche Nationalmannschaft spielt in der Gruppe E gegen Curaçao (14. Juni, 19 Uhr deutscher Zeit), die Elfenbeinküste (20. Juni, 22 Uhr) und Ecuador (25. Juni, 22 Uhr). Das erste Spiel gegen den WM-Neuling Curaçao findet also zu einer für Public Viewing günstigen Zeit statt, während die beiden weiteren Vorrundenpartien in die Nachtstunden fallen. Sollte das Team von Julian Nagelsmann Gruppensieger werden, würde die erste K.o.-Runde am 29. Juni um 22.30 Uhr deutscher Zeit angepfiffen werden, das mögliche Achtelfinale am 4. Juli um 23 Uhr. Diese späten Anstoßzeiten stellen die Gastronomie und die Fans vor besondere Herausforderungen.

Einige Städte haben bereits angekündigt, auf große Public-Viewing-Events zu verzichten. In Berlin wird es auf der Straße des 17. Juni keine Fanmeile geben, da nach Angaben der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt kein privater Betreiber einen Antrag gestellt hat. Auch das beliebte Public Viewing auf dem Heiligengeistfeld in Hamburg fällt aus – aus Kostengründen. In München, Nürnberg, Augsburg, Regensburg und Ingolstadt sind keine offiziellen Fanfeste geplant. Eine Ausnahme ist die Arena auf Ewald in Herten (Nordrhein-Westfalen), wo bis zu 10.000 Fans unter anderem alle deutschen Vorrundenspiele verfolgen können.

Für Gastronomen stellt sich die Frage, ob sich ein Fußball-Angebot im Freien lohnt. Der Deutsche Hotel- und Gastronomieverband (DEHOGA) weist auf zusätzliche Kosten hin, etwa für Übertragungstechnik, Personal und Lizenzierungen. Hauptgeschäftsführerin Jana Schimke erklärte, dass die Wirtschaftlichkeit stark von den Anstoßzeiten und vom Wetter abhänge. Viele Restaurants und Kneipen werden daher nur ausgewählte Spiele zeigen, insbesondere solche mit deutscher Beteiligung oder hoher sportlicher Bedeutung.

Wer die Spiele privat auf dem Balkon oder im Garten verfolgen möchte, muss beachten, dass die Ausnahmen vom Lärmschutz nur für öffentliche Veranstaltungen gelten. Für private Feiern bleiben die jeweils geltenden Regelungen bestehen. Wer also den Fernseher nach draußen stellt, sollte die Nachbarn vorwarnen und auf die Lautstärke achten, um Konflikte zu vermeiden. Viele Gaststätten verlangen zudem Reservierungen, während andere keine annehmen. In den Außenbereichen sind Vuvuzelas, Trommeln, Tröten und Pfeifen vielerorts verboten. Nach dem Abpfiff später Spiele müssen die Veranstalter das Public Viewing in der Regel schnell beenden, um die Lärmschutzauflagen einzuhalten.

Insgesamt zeichnet sich ab, dass die WM 2026 für deutsche Fans eine besondere Herausforderung wird. Die späten Anstoßzeiten erfordern eine gute Planung, um die Spiele im Freien genießen zu können. Die unterschiedlichen Regelungen in den Städten und Gemeinden machen es notwendig, sich rechtzeitig zu informieren. Trotz der Einschränkungen bieten viele Lokale und einige wenige große Events wie in Herten die Möglichkeit, die Spiele gemeinsam zu verfolgen. Die Vorfreude auf das Turnier bleibt groß, auch wenn die nächtlichen Anstoßzeiten für eine ungewohnte Atmosphäre sorgen werden.

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Reporterin

Theresa Jungmann berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.