Mexiko hat bei der Heim-WM ein historisches Zeichen gesetzt. Die Mannschaft von Trainer Javier Aguirre besiegte im Achtelfinale Ecuador mit 2:0 und feierte damit den ersten Sieg in einem K.-o.-Spiel einer Weltmeisterschaft seit 40 Jahren. Im ausverkauften Aztekenstadion sorgten die Tore von Julián Quiñones und Raúl Jiménez für ausgelassene Jubelszenen auf den Rängen und in der Hauptstadt. Rund eine Million Menschen feierten die Spieler auf der Prachtstraße Reforma.
Der Erfolg gegen den zuvor starken Ecuador war verdient. Mexiko dominierte die erste Halbzeit, erspielte sich zahlreiche Chancen und ließ defensiv kaum etwas zu. Quiñones brachte sein Team in der 22. Minute in Führung, Jiménez erhöhte noch vor der Pause auf 2:0. In der zweiten Halbzeit verwaltete die Mannschaft das Ergebnis souverän und kassierte im vierten WM-Spiel erneut kein Gegentor. Die Defensive um Torhüter und Abwehrreihe agierte nahezu fehlerfrei.
Trainer Aguirre zeigte sich nach dem Spiel emotional. „Wir hatten schon große Siege, aber keinen wie diesen“, sagte er und kündigte an, sich nach dem Erfolg einen Whiskey zu gönnen. Für ihn persönlich sei es das wichtigste Spiel seiner Karriere gewesen. Stürmer Santiago Giménez gab sich selbstbewusst: „Um Weltmeister zu werden, muss man jeden Gegner schlagen, und darauf konzentrieren wir uns.“ Die Stimmung im Team sei nach dem Sieg euphorisch, aber fokussiert.
Der Sieg beendete eine lange Durststrecke. 1986 hatte Mexiko zuletzt ein K.-o.-Spiel gewonnen – damals im Aztekenstadion gegen Bulgarien. In der folgenden Runde war gegen Deutschland im Elfmeterschießen Schluss. Die mexikanische Zeitung „Esto“ schrieb: „Es mussten 40 lange Jahre voller Frust, schmerzhafter Rückschläge und Enttäuschungen vergehen, bis die mexikanische Nationalmannschaft endlich ein K.-o.-Spiel bei einer FIFA-Weltmeisterschaft gewinnen konnte.“
Internationale Fußballgrößen zollten Mexiko Respekt. Der Schwede Zlatan Ibrahimovic, als Experte tätig, lobte: „Sie haben vom ersten Moment an gezeigt, wer der Boss im Ring ist. Mit den beiden Toren war das Spiel durch. Das war Mexikos beste Leistung.“ Auch Frankreichs Ex-Weltmeister Thierry Henry zeigte sich beeindruckt: „Wow. Die ersten 30 Minuten waren einfach nur wow. Das ist genau das, wie du das Publikum mitnehmen willst.“
Die Partie war wegen eines schweren Gewitters um eine Stunde verspätet angepfiffen worden. Das brachte die Mexikaner jedoch nicht aus dem Konzept. Besonders der 17-jährige Gilberto Mora sorgte für Wirbel und zeigte eine starke Leistung im Mittelfeld. Die Mannschaft kontrollierte den Ball und ließ Ecuador kaum zur Entfaltung kommen. In der zweiten Halbzeit bewies sie zudem ihre Fähigkeit, einen Vorsprung zu verwalten.
Mittelfeldspieler Erik Lira betonte die Bedeutung des Heimvorteils: „Wir profitieren ziemlich stark von unserem Heimvorteil: Man steht auf dem Platz, schaut nach draußen und sieht bedingungslose Unterstützung. Das liebe ich.“ Er zeigte sich überwältigt von der Erfahrung: „Diese Erfahrung, die ich seit etwa einem Monat mache, werde ich für den Rest meines Lebens in Erinnerung behalten. Das hätte ich mir nie träumen lassen.“
Nun wartet im Viertelfinale England. Die „Three Lions“ setzten sich im Achtelfinale mit 2:1 gegen die Demokratische Republik Kongo durch, wobei Harry Kane beide Tore erzielte. Das Spiel wird erneut im Aztekenstadion stattfinden, wo Mexiko noch nie ein WM-Spiel verloren hat. Die Erwartungen im Land steigen mit jedem Sieg. Längst ist die Frage in aller Munde: „Und wenn doch!“ – wenn Mexiko tatsächlich Weltmeister würde. Die Mannschaft hat sich mit dem Sieg gegen Ecuador den Respekt der Fußballwelt verdient und darf weiter träumen.
