Marokko hat als erste Mannschaft das Viertelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft erreicht. Der Afrika-Meister besiegte im Achtelfinale in Houston den Co-Gastgeber Kanada mit 3:0 (0:0) und zog damit unter die besten acht Teams des Turniers ein. Die Mannschaft von Trainer Mohamed Ouahbi tat sich allerdings lange schwer und benötigte eine deutliche Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit, um die Partie für sich zu entscheiden.

Der zum Spieler des Spiels gekürte Azzedine Ounahi erlöste die marokkanischen Fans in der 50. Minute mit dem Führungstreffer. Nach einem Freistoß von Achraf Hakimi traf der Profi vom FC Girona aus kurzer Distanz flach ins untere Toreck. In der 82. Minute legte Ounahi mit seinem zweiten Tor an diesem Abend nach und sorgte für die Vorentscheidung. In der Nachspielzeit ließ Soufiane Rahimi (90.+8) die Marokkaner endgültig jubeln. Für Kanada endet das Turnier damit nach dem erstmaligen Erreichen der K.-o.-Runde.

Die erste Halbzeit war von einer überraschend passiven Spielweise der Marokkaner geprägt. Kanada bestimmte die Anfangsphase klar und vergab mehrere gute Gelegenheiten. Jonathan David (5.) und Tani Oluwaseyi (10.) scheiterten jeweils an Torhüter Yassine Bounou, der sich als sicherer Rückhalt erwies. Die verletzungsbedingte Auswechslung von Bayern-Neuzugang Ismael Saibari in der 22. Minute traf die Marokkaner hart. Der 25-Jährige, der in diesem Turnier bereits drei Tore erzielt hatte, musste frühzeitig vom Feld. Für ihn kam Rahimi ins Spiel.

Trainer Ouahbi zeigte sich nach der Partie erleichtert, aber auch selbstkritisch. „Wir haben gelitten“, gestand er. Seine Mannschaft habe sich nach der Pause jedoch „beeindruckend“ gesteigert. „Wenn man gegen ein Team antritt, das so intensiv spielt wie Kanada, weiß man, dass es schwierige Momente geben wird. Wenn man weit kommen will, muss man auch mit solchen Momenten umgehen können“, sagte Ouahbi. Der Druck lag vor allem auf Real-Madrid-Star Brahim Díaz, der bislang torlos geblieben war und in der ersten Halbzeit große Probleme hatte, sich in Szene zu setzen.

Für Kanada endet die WM dennoch mit einem Erfolg. Das Team von Trainer Jesse Marsch sammelte erstmals WM-Punkte und erreichte die K.-o.-Runde, was in der kanadischen Fußballgeschichte ein Novum darstellt. „Wir waren die bessere Mannschaft. Aber sie haben ein paar Tore erzielt“, sagte Marsch. „Sie haben ein bisschen mehr Qualität im letzten Drittel – und uns hat es dort gefehlt.“ Der frühere Leipzig-Coach zeigte sich trotz des Ausscheidens stolz auf seine Mannschaft: „Wir liegen jetzt am Boden, aber ich könnte nicht stolzer sein.“

Die Partie in Houston fand an einem besonderen Datum statt. Am Samstag feierten die USA landesweit 250 Jahre Unabhängigkeit, was auch im Stadion spürbar war. Zahlreiche US-Fahnen und Trikots waren zu sehen, während die marokkanischen Fans in der Überzahl waren. Die kanadische Auswahl und ihre Anhänger reisten nach Texas, wo der große Nachbar USA unter Präsident Donald Trump eher schwierige Beziehungen zu Kanada pflegt. Eishockey-Legende Wayne Gretzky verfolgte das Spiel als einer von 68.777 Zuschauern von der Tribüne aus.

Marokko, das bei der WM 2022 in Katar den vierten Platz belegte, gehörte bereits vor dem Turnier zum erweiterten Favoritenkreis. Der Kader ist hochtalentiert, und mit Ismael Saibari hat der FC Bayern jüngst einen Spieler verpflichtet, der Schätzungen zufolge rund 55 Millionen Euro Ablöse kostete. Ob Saibari im Viertelfinale wieder einsatzbereit sein wird, ist derzeit ungewiss. Die Verletzung des Offensivstars könnte eine Schwächung für das Team bedeuten.

Im Viertelfinale trifft Marokko auf den großen Favoriten Frankreich, der sich zuvor mit einem 1:0-Sieg gegen Paraguay durchsetzte. Frankreich hatte in der Gruppenphase unter anderem Deutschland bezwungen und gilt als einer der Titelanwärter. Für Marokko wird es eine schwere Aufgabe, doch die Mannschaft hat bereits bewiesen, dass sie mit Drucksituationen umgehen kann. Die Partie verspricht ein spannendes Duell zwischen zwei starken Teams zu werden.

Die zweite Halbzeit war von einer deutlichen Steigerung der Marokkaner geprägt. Nach dem Führungstreffer übernahm das Team die Kontrolle und verlegte sich auf Konter. Kanada versuchte, den Ausgleich zu erzielen, scheiterte aber immer wieder an der gut organisierten marokkanischen Abwehr. Das zweite Tor von Ounahi und der späte Treffer von Rahimi besiegelten das Aus für die Kanadier. Die Partie war trotz des K.-o.-Charakters in der ersten Halbzeit fußballerisch behäbig und wurde teils hitzig, was der englische Schiedsrichter Michael Oliver mit mehreren Gelben Karten zu beruhigen versuchte.

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Wirtschaftsanalyst

Sebastian Mertens berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.